Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
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ÖZV LVI/ 105

STRAUB, Wolfgang: Willkommen. Literatur und Fremdenverkehr inÖsterreich. Wien, Sonderzah! Verlagsgesellschaft, 2001, 269 Seiten.

,, Literatur und Fremdenverkehr in Österreich:, Disparat nennt der Autoreinleitend seinen Untersuchungsgegenstand; man wird aus Sicht der Volks-kunde auch hinsichtlich des vorliegenden und hier anzuzeigenden Ergebnis-ses dieser Meinung sein. Allerdings, das sei hinzugefügt, handelt es sich beidiesem Buch um eines, das der Verfasser nicht als ,, kulturwissenschaftlich",sondern als ,, philologisch bezeichnet und das sich somit weitgehend derKritik von Nicht- Literaturwissenschaftler/ inne/ n entzieht. Zudem macht esdas durchaus löbliche- Bekenntnis des Autors zur Subjektivität( was eingewisser Gegensatz zur Tatsache ist, daß er sich gerne als ,, wir" bezeichnet)schwer, Einwände zu formulieren, ohne kleinlich- besserwisserisch zu wir-ken.

Inhalt des Bandes ist, so Straub, die Literatur Österreichs, insbesondereder letzten Dezennien, soweit sie Bezug nimmt auf Tourismus und Fremden-verkehr. Sie tut dies in großer Zahl( wie die ohnehin nur in Auswahlherangezogenen und unter Primärliteratur" aufgelisteten Werke nach-drücklich beweisen) und nahezu ausschließlich auf kritische Weise, wenn-gleich nach Befund des Autors nur zwei längere Prosawerke( darunter,, Einer von Norbert Gstrein) vornehmlich diesem Thema gewidmet sind.In seiner Analyse greift der Verfasser speziell vier touristisch wichtige Topoiund ihre literarische Bearbeitung auf: Berg- Kraftwerk- Schifahrer- Tirol;deren Verquickung mit der offiziellen und von Tourismus- und Werbewirt-schaft aufgegriffenen bzw. popularisierten Österreich- Ideologie herausgear-beitet zu haben, ist zweifelsohne ein Verdienst Straubs. Er bietet aber aucheinen allgemeinen themenbezogenen Literaturüberblick für die Zeit vor undnach 1945 und einleitend Abschnitte über den Fremdenverkehr als For-schungsgegenstand und seine Entwicklung in Österreich, die man sich fürden ersten Bereich umfassender und für den zweiten kürzer hätte vorstellenkönnen.

Als ein literaturwissenschaftlicher Beitrag zur Freizeit-, Tourismus- undStereotypenforschung( dies vor allem hinsichtlich des schon angesproche-nen literarisch vermittelten bzw. schriftstellerisch aufgegriffenen Öster-reich- Bildes) ist das Buch jedenfalls auch für andere Wissenschaften vonInteresse, selbst wenn man der auf dem Buchdeckel und in der Verlags-ankündigung formulierten Prämisse ,,, daß die heimische Gegenwartslitera-tur das vielleicht exakteste Auskunftsmittel über Befindlichkeit und Zustanddes Tourismuslandes Österreich ist", nur bedingt zustimmen kann. Viel-leicht, um dieses Wort zu wiederholen, hat der Verfasser diesen Eindruckaber auch nur deshalb gewonnen, weil er sich mit der( kultur) wissenschaft-