Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVI/ 105, Wien 2002, 125-148
Zum Quellenwert der Südtiroler Volksmusiksammlungvon Alfred Quellmalz( 1940-1942)
Thomas Nuẞbaumer
Die Südtiroler Volksmusiksammlung von Alfred Quellmalz( rund 3000 Magnetophonaufnahmen mündlich überlieferterVolksmusik aller Gattungen) war aufgrund ihrer Entstehungs-hintergründe( SS- ,, Ahnenerbe" als Auftraggeber, Option undUmsiedlung in Südtirol als Anlass) in der Fachliteratur bisherumstritten. Bei Kenntnis des Sammelbestandes zeigt sich jedoch,dass Quellmalz weniger der ,, Ahnenerbe"-Ideologie als viel-mehr dem damals traditionellen volkskundlichen Fachver-ständnis verbunden war( was sich mit ideologischen Forde-rungen allerdings teilweise verbinden ließ). Ihm lag vor allemdaran, die älteren Schichten der Südtiroler Volksmusik zuerfassen. Gegenwartsbezogene politische Lieder nahm er nurin geringem Ausmaß auf, ideologisch nicht opportune Liederberücksichtige er aus Gründen der Vorsicht nicht. Aufnahme-technisch stellt seine Sammlung eine Pionierleistung dar.
Wie alle volkskundlichen Sammelaktionen der ,, Südtiroler Kultur-kommission" des SS- Ahnenerbes, die in den Jahren 1940 bis 1942 imUmsiedlungsgebiet Südtirol stattfanden, ist auch die rund dreitausendTonaufnahmen umfassende Volksmusiksammlung von Alfred Quell-malz( 1899-1979) sehr umstritten. Als gegen Ende der achtziger,Anfang der neunziger Jahre eine Reihe von Volkskundlerinnen undVolkskundlern daranging, die Geschichte ihres Faches zur Zeit desNationalsozialismus aufzuarbeiten,' wurde vielfach auf den ideolo-gisch problematischen Kontext der Forschungen eines Richard Wolf-ram, Willi Mai und Alfred Quellmalz in Südtirol hingewiesen. Ten-denziell bestand die Auffassung, die Forschungskonzepte,-methodenund ihre Ergebnisse als( aus heutiger Sicht) wissenschaftlich suspektzurückzuweisen.
1 Stellvertretend sei hier nur verwiesen auf Jacobeit, Wolfgang, Hannjost Lixfeldund Olaf Bockhorn( Hg.): Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen derdeutschen und österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun-derts. Wien 1994.