Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

186

Literatur der Volkskunde

ÖZV LVI/ 105

LÖFFLER, Klara( Hg.), Dazwischen. Zur Spezifik der Empirien in derVolkskunde. Hochschultagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskundein Wien 1998.(= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Ethnolo-gie der Universität Wien, Bd. 20). Wien, Selbstverlag des Instituts fürEuropäische Ethnologie, 2001, 150 Seiten.

Im nun schon vertrauten Orange/ Schwarz dokumentiert Nummer 20 derWiener Instituts- Reihe die Beiträge der Hochschultagung der DeutschenGesellschaft für Volkskunde 1998. Die Wartezeit auf dieses sorgfältig redi-gierte Buch hat sich gelohnt, freilich nicht nur wegen der ansprechendengraphischen Gestaltung: Der Band ist bestens geeignet, sich eine Tagung,die in ihren Einzelheiten vielleicht schon aus dem Gedächtnis ist, in Erin-nerung zu rufen und könnte darüber hinaus nochmals Diskussionen rund umzeitgemäße Methoden und Perspektiven entfachen.

Eine verfremdete Fotografie am Titelbild zeigt einen Mann, der einerFrau mit großer Tasche zum nächsten Schritt im unebenen Gelände helfenddie Hand reicht, im Hintergrund( auf der Rückseite des Buches und also erstbei genauerer Betrachtung zu entdecken) steht ein Mensch, die Hände tiefin den Manteltaschen vergraben, und beobachtet aus der Distanz- Verweiseauf typische Feldforschungssituationen oder Sinnbilder für die Lage derVolkskunde? Den ,, Essentials des Fachs" widmete sich die community imRahmen dieser Tagung, fasst Gastgeber Konrad Köstlin im Vorwort zusam-men, an ,, das Eingemachte( S. 7) sollte es hier gehen. So eignet sich,, Dazwischen" auch, um zur Auseinandersetzung mit der Spezifik volks-kundlicher Empirien anzuregen. Acht Referate, ein Thesenpapier und vierKommentare bzw. Impulsreferate der Schlußdiskussion sowie das Nachwortder Herausgeberin Klara Löffler liefern einen Überblick zum Stand volks-kundlicher Methodik. Mehr noch: sie verorten die Disziplin in der aktuellenwissenschaftspolitischen und-kulturellen Situation im deutschsprachigenRaum und vermitteln etwas von der Stimmung und Atmosphäre im Fach.

Interessant- nicht nur für EinsteigerInnen- sind die mehrfach unternom-menen Rückblicke in die Fachgeschichte, die über die historische Entwick-lung volkskundlicher Empirie( n) Aufschluß geben. Rolf Wilhelm Brednichetwa analysiert das Spannungsfeld, Feldforschung und Authentizität* an-hand traditioneller Volksmusik- und Erzählforschung. Besonders neugierigmacht seine kleine Geschichte der, nicht- authentischen Texte, in der er sichmit Betrug und Fälschung auseinandersetzt.

Freilich werden in der Kürze die wichtigen Diskussionen aus der Vergan-genheit des Fachs nicht aufgerollt, aber auf sogenannte Meilensteine wirdhingewiesen und auf zentrale ProtagonistInnen Bezug genommen. Die Textedes Tagungsbandes bieten, indem sie über Empirie, Methodik, aktuelle