Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
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2002, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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Reaktion auf diverse Krisen der Disziplin. Schließlich nimmt sie nochmalsdie Begriffsarbeit auf und möchte ,, Nähe durch ,, Anerkennung( S. 103)ersetzt wissen. Sabine Gieske kommt in ihrer persönlichen Reflexion derVeranstaltung zu ähnlichen Schlüssen. Sie lotet im Lauf der Tagung emp-fundene Nähe und Distanz aus, letztere entstand für sie vor allem beimBegriff ,, Gewährsmann, der immer wieder gebraucht worden war, Gieskefragt sich, wieso dieses Wort aus einer längst vergangenen Phase fachlicherMethodendiskussion wiederkehrt( S. 110). Irene Götz konzentriert sich inihrem Abschlußstatement auf das Verhältnis zu bzw. auf den angemessenenUmgang mit den Medien und präsentiert bei dieser Gelegenheit beruflichePerspektiven ,, für den Nachwuchs( S. 126). Auch sie hat Vorbehalte gegen-über einem Übermaß an Selbstreflexivität und sucht ,, Aus- Wege aus demdekonstruktivistischen Spiegel- Kabinett( S. 125). Warum Reflexion hiergleichgesetzt wird mit Empirie- und Feldfeindlichkeit bleibt ungeklärt.

In einem Nachwort resümiert Klara Löffler die Veranstaltung entlangeiner Dekonstruktion des Tagungstitels und fasst Ausgangspunkte und Zie-le Kulturanalyse volkskundlicher Empirien und kritische Aktualisierungdes empirischen Arbeitens- nochmals zusammen. Aus heutiger Sicht- eineletzte Begriffsklärung würde sie das ,, Dazwischen aus dem Titel derTagung durch ein ,, Mittendrin ersetzen. Denn, mittendrin' verweise deut-licher auf die vielfältigen Zusammenhänge und Abhängigkeiten, auf diePosition als Deutungsinstanz, die Verstricktheit in Prozesse, die es zuerforschen gilt oder darauf, daß die VolkskundlerInnen in ihrem Feld nebenanderen arbeiten, auch in Konkurrenz zu anderen. Klara Löffler zieht denSchluß, daß Aufbruch zu verspüren war ,,, der Mut machen sollte, tatsächlichneue Wege zu gehen( S. 144).

Nikola Langreiter

PLESSER, Alois: Zur Kirchengeschichte des Viertels ob dem Wienerwaldvor 1627.(= Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt, Bd. 16u. 17). Sankt Pölten, 1998 u. 2001.

Mit dem 17. Band der Geschichtlichen Beilagen zum Sankt Pöltner Diö-zesanblatt findet nach über 120 Jahren ein ausgesprochen aufwändigesUnternehmen seinen vorläufigen Abschluss. 1878 war damit begonnenworden, möglichst systematisch Archivalien über einzelne Pfarreien undKlöster auszuwerten und in Aufsätzen zu publizieren. Das Projekt erwuchsaus einer Art Aufbruchstimmung eines historisch interessierten und ambi-tionierten Klerus, dessen Aktivitäten von der Diözese entsprechend geför-