Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
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2002, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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den Angaben der Herausgeber gegenüber der Form, wie sie Plesser in denersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verwendet hat, nicht verändertworden. Über Schwierigkeiten, die dadurch bei der Verwendung entstehenkönnen, wird wohl der geplante Registerband, der auch ein Literatur- undQuellenverzeichnis enthalten soll, hinweghelfen.

Wenn man nun versucht, den wissenschaftlichen Nutzen der Publikatio-nen auszuloten, dann stellt man zunächst fest, dass sich die Zielsetzungender verschiedenen Herausgeber im Laufe der Jahrzehnte kaum geänderthaben. 1936, kurz vor Plessers Tod, ist die Rede davon gewesen, dass ,, demGeschichtsschreiber der Geschichtsforscher vorausgehen müsse, dass also,, vorerst die vorhandenen Archive möglichst vollständig erforscht werdenmüssen, ehe man an die Abfassung gründlicher Geschichten der adeligenGeschlechter, Klöster, Pfarreien und Ortschaften schreiten könne. Heutenun wollen die Bände ,, als, Findbuch verstanden werden, als eine Materi-alsammlung zur Pfarrgeschichte in Regestenform". In den Intentionen sindda kaum Unterschiede auszumachen, allenfalls in der Terminologie. DiePraxis zeigt, dass die Landesgeschichtsschreibung Niederösterreichs die,, Beiträge" früher wie heute interessiert aufgenommen hat, dass also inderen Ergebnisse das von Alois Plesser( und anderen) gesammelte Archiv-material eingeflossen ist. Die Volkskunde aber ist bemerkenswerterweisesukzessive auf Abstand gegangen. Während bis etwa in die 1970er Jahrediese Regestensammlungen direkt oder indirekt Eingang in die einschlägi-gen Forschungsarbeiten fanden, haben sich die Fragen des Faches an histo-rische Quellen seither offenbar so weit verändert, dass die GeschichtlichenBeilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt, auch wenn es um historischeThemen geht, die das Land Niederösterreich betreffen, offenbar kaum nochherangezogen werden. Die erfolgreiche Beendigung dieses Editionsprojek-tes sollte Anlass sein, sich dessen nicht nur zu erinnern, sondern auch zuprüfen, inwieweit es auch im Sinne rezenter Fragestellungen des Fachesgewinnbringend genutzt werden könnte- ist doch damit eine enorme Füllevon weit verstreutem Archivmaterial zugänglich gemacht worden.

Christian Stadelmann

PRICKLER, Harald: Castellum Paris und Pfeiferei[...]. Beiträge zurKunst-, Gewerbe- und Industriegeschichte des Nordburgenlandes.(= Bur-genländische Forschungen, 80). Eisenstadt, Burgenländisches Landesarchivund Landesbibliothek, 2000, 132 Seiten, Abb.

Harald Prickler, profunder Kenner der burgenländischen Geschichte, isteiner der Wenigen, die sich auch mit der Kunst- Wirtschafts- und Hand-