2002, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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sucht aber auch, aufgrund biographischer Angaben Lebensläufe sonst an-onym bleibender ,,, kleiner Leute“, wie etwa von einzelnen Beschäftigtendieser Betriebe, zu rekonstruieren, und auch die Vorurteile, die diesenMenschen von Seiten der Behörde und der ansässigen Bevölkerung entge-gengebracht wurden, spart er nicht aus. Bemerkenswert ist zudem, daßzumindest bei den hier dargestellten Betrieben- die Grundherrschaft alsUnternehmer wirtschaftlich nicht erfolgreich war. Für den Sachvolkskund-ler ist wohl das Kapitel über die ,, Pfeiferei“ das wichtigste, werden in diesemdoch die Produktion und die Produkte der Fa. Brun( n) er und Puff ausführlichdargestellt. Erstaunlich, daß zumindest ein Teil der Produktion auf der Basisvon Formen der Fa. ,, M.HÖNIG.WWE.SCHEMNITZ“ und„, K.WEISS",einer in Papa ansässigen Firma, hergestellt wurden. Das muß wohl sogedeutet werden, daß die Trausdorfer Produktionsstätte als ,, Zulieferer"( ineinem ,, Billiglohn- Land"?) für diese Betriebe tätig war, die diese Erzeug-nisse dann unter ihrem eigenen Namen vertrieben.( Eine Praktik, die auchNagy in seiner Monographie aufzeigt).
In diesem Zusammenhang sei auch auf die Studie von Nagy Zoltán,Dunántúli cseréppipa készitő műhelyek és termékeik a XIX. században[ Tonpfeifen Werkstätten in Transdanubien und ihre Erzeugnisse im 19. Jahr-hundert].[= Fontes Castriferriensis, 1]. Szombathely, Vas Megyei Múzeu-mok Igazgatósága, 2001, 267 Seiten, Abb. hingewiesen. Sie verfügt übereine recht ausführliche englische Zusammenfassung[ Clay- pipe workshopsand their products in the 19th century Transdanubian region, 85–93], vorallem aber über rund 800[!] Fotos bzw. Zeichnungen von Pfeifen, Pfeifen-bruchstücken und Marken auf 142 Tafeln. Weiters sind Angaben zur Ge-schichte und den Eigentümern von 25 Produktionsstätten, alphabetischgeordnet von B( Batiz) bis Z( Zólyom), in ihr enthalten; vier davon( Pernitz,Theresienfeld, Trausdorf und Wiener Neustadt) liegen in Österreich. All diesmacht die Monographie auch für den Leser, der über keine Kenntnisse derungarischen Sprache verfügt, zu einer wichtigen Informationsquelle.
Wolfgang Gürtler
GÖTTL, Bertl: Der Salzburger Jahreskreis. Lostage, Kräuter und Heili-ge. Salzburg, Wien, Jung und Jung Verlag, 2001, 264 Seiten, zahlreiche z.T.farbige Abbildungen.
,, Früher" hätte man diesen Salzburger Jahreskreis wohl als Hausbuch oderImmerwährenden Kalender bezeichnet und mit holzschnittartigen Schwarz-weiß- Abbildungen versehen. Heute ziert eine Illustration aus Hildegard von