2002, Heft 2
Literatur der Volkskunde
203
Leichtigkeit, kurz und prägnant formuliert sind. Diese zwischen drei undvier Seiten langen Aufsätze sind keine Abhandlungen wie jene des erstenTeils, sondern bieten oftmals nur eine Zusammenfassung der Geschichte desjeweiligen Geschenkanlasses oder-typus. Es sollen vor allem Denkanstößesein in Hinblick auf die vielfältigen Spielarten des Schenkens.
Die zahlreichen Fotografien des Bandes sind von hervorragender Quali-tät, zumeist aber leider in Schwarz- Weiß gehalten. Dies stört zwar etwas beiObjekten, bei denen Farbenpracht zu vermuten ist, macht aber den Band,, Geschenkt!" um nichts weniger interessant und schön.
Sabine- Else Astfalk
WOLF, Gabriele: Lesen für den Fortschritt. Zur Rezeption von popularerlandwirtschaftlicher Fachliteratur in Bulgarien( 1878–1944)(= MünchnerBeiträge zur Volkskunde, Bd. 28, Wirtschaft und Gesellschaft in Südosteu-ropa, hg. von Werner Gumpel, Bd. 15). Münster, New York, München,Berlin, Waxmann, 2001, 342 Seiten, 1 Abb. im Text und auf Taf., 21 Tabellenund Statistiken. ISBN 3-8309-10282.
Die außerordentlich gut belegte und sorgfältig erarbeitete Münchner Disser-tation von 1998 greift ein relativ selten behandeltes Thema auf: populäreFachliteratur zur Landwirtschaft, leicht faßliche Anleitungen zur Intensivie-rung des Anbaus und zur Steigerung der Produktion. In Bulgarien tauchtdieses Schrifttum nach der Loslösung vom Osmanischen Reich 1878 aufund wird vorwiegend von politischen und bildungsmäßigen Eliten verfasstund verbreitet, von den Bauern selbst jedoch kaum rezipiert, da die Anal-phabetismusquote zu dieser Zeit noch sehr hoch liegt und die Landwirte vonder jahrhundertelang geübten Praxis nicht leicht abzubringen sind. So klaffthier eine große Lücke zwischen Zielsetzung und Effektivität dieses Schrift-tums; die angestrebte Agrarreform wird dann eigentlich erst vom kommu-nistischen System nach 1944 eingeleitet. Die Untersuchung richtet sichdemnach nicht sosehr auf die tatsächlichen Auswirkungen auf die landwirt-schaftliche Produktion, sondern auf das Schrifttum selbst, das als Untergat-tung popularer Literatur verstanden wird.
Darauf geht die Einleitung ein( S. 11ff). Im ersten Kapitel wird diepopulare landwirtschaftliche Fachliteratur als Gattung nach Begriff undBegriffsverwendung bestimmt sowie der bisherige Forschungsstand fürBulgarien dargelegt( S. 19ff). Das zweite Kapitel widmet sich dann dieserBilligdruck- Literatur selbst:„ Die Heftchen und Bücher: eine quantitativeInhaltsanalyse im historischen Kontext Bulgariens vom 19. Jahrhundert bis