Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVI/ 105

Analyse der griechischen Varianten von AaTh 310 mit internationalenVergleichen und dem Gebrauch der Geschichte in der Hochliteratur( vgl.nun A. Angelopulu- A. Brusku, Eлɛžɛpyaoía napαµvеiαкóvτÚлØV Kαιлαрαllαyóv AT 300-499, Athen 1999, 1. Bd., S. 161–181). Zum Liedge-brauch in den griechischen Märchen und den Erinnerungsversen von Feren-tinos in AaTh 313c vgl. auch M. I. Manusakas/ W. Puchner, Die vergesseneBraut. Bruchstücke einer unbekannten kretischen Komödie des 17. Jahrhun-derts in den griechischen Märchenvarianten vom Typ AaTh 313c, Wien 1984(= Österr. Akademie der Wissenschaften, phil.- hist. Klasse, Sitzungsberich-te, 436. Band, Mitteilungen des Instituts für Gegenwartsvolkskunde Nr. 14).In einer kurzen Einleitungsnotiz nach dem Prolog zur ersten Ausgabeweist der Verfasser darauf hin, daß es sein eigener nostalgischer Wunschgewesen sei, an den Texten auch stilistisch nichts zu ändern. So fehlt auch,wie damals vor fast 30 Jahren, das Inhaltsverzeichnis. Eine fast bibliophileAusgabe, über die sich der Autor, der in Kürze seinen 70. Geburtstag feiert,freuen mag.

Walter Puchner

FREY, Andrea: Der Stadtraum in der französischen Malerei 1860–1900.Berlin, Dietrich Reimer Verlag, 1999, 280 Seiten, 97 Abb. ISBN 3-496-01194-7.

Ein vielversprechender Titel, ein kulinarisches Titelbild: Auf regennasserStrasse, unverkennbar in Paris, flaniert ein elegantes Paar mit aufgespann-tem Regenschirm. Auch andere Personen geben sich dem ziellosen Spazier-gang hin. Die Straße ist kaum befahren, was auf Sonntag schließen läßt.

Hier kündigt sich die Auseinandersetzung mit Alltagen und Freizeiten dermodernen Großstadt an, mit den Veränderungen urbaner Erfahrung durchArchitektur, Städtebau und neue Öffentlichkeiten. Freilich wirft der zurDebatte stehende Zeitraum eine Frage auf. 1860-1900: Hat nicht die Aus-einandersetzung mit der Malerei die damaligen französischen Avantgardeneher aus der Stadt, aufs Land, ins ,, Exotische Glossar ::: zum Glossareintrag  Exotische" hinausgeführt? Und istandererseits der Diskurs um das Urbane in diesem Zeitraum nicht vieldeutlicher in anderen kulturellen Terrains verankert, wie der Literatur, derFotografie, der Populärkultur und den Medien.

Am Anfang und am Schluß des Buches gibt Andrea Frey auch zu erken-nen, daß der Zusammenhang zwischen der Avantgarde in der Malerei unddem Stadtraum erst hergestellt werden muß: Da werden Baudelaire, Zolaund Maupassant als Theoretiker zitiert, die nach einer adäquaten Darstellung