2002, Heft 2
Buchanzeigen
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nen E. Kuchen und K. Roessler eine vom Juni 2000 bis November 2001 imFreulerpalast Näfels, dem Glarner Museum, gezeigte Ausstellung, anläßlichderer auch von zwölf Filmen des jüngeren Schönwetter neue und zurVorführung geeignete Kopien gezogen wurden.
Das vorliegende Begleitbuch, von den Gestalterinnen herausgegeben,vermag ebenso wie die Ausstellung die thematische Vielfalt der SammlungSchönwetter einigermaßen repräsentativ anzudeuten und vermittelt außerder von den Herausgeberinnen genannten ,, Stimmung" auch einen Eindruckvon der Qualität der Aufnahmen und der Gestaltungskraft der Fotografie-renden. Kurze Textbeiträge verschiedener Autorinnen und Autoren bildeneine informative Ergänzung: man erfährt etwas über den Archivbestand, dieFamilien- und Firmengeschichte, den Stellenwert der Filme. Man liest mitInteresse die Titel von Filmen und Tonbändern und einen kurzen Aufsatz zurBedeutung der Dorffotografen. Diese ,, Laudatio“, verfasst von Paul Hugger( den man wohl als Pionier der diesbezüglichen volkskundlichen Forschungbezeichnen darf), verweist auf den hohen Quellenwert der Aufnahmen, dienotwendige Vielseitigkeit der Fotografen, die lokalen Möglichkeiten desBildangebotes, den Einfluß des professionellen Fotografierens auf damit inZusammenhang stehende Rituale und Posen sowie die Auswirkungen aufdie Amteurfotografie. Hugger sieht gerade in den ,, Dorffotografen“ einwichtiges Bindeglied zur„, Moderne"( in der der Sehsinn dominiert); ernennt den von der Wissenschaft lange verkannten bzw. ignorierten undinzwischen zumindest punktuell entdeckten Berufsfotografen ,, kulturprä-gend" und äußert die Überzeugung und Einsicht ,,, dass solchen lokalenFotografen eine grosse Bedeutung als Dokumentaristen und als Vermittlereiner ästhetischen Kultur und gesellschaftlicher Haltungen zukommt"( S. 53).
Der hier anzuzeigende schöne und aufwendig gestaltete Band beweistdiesen Satz nachdrücklich und stellt einen weiteren Anstoß zur intensivenBeschäftigung mit diesem Thema dar.( OB)
MIHM, Andrea: Packend... Eine Kulturgeschichte des Reisekoffers.Marburg, Jonas- Verlag, 2001, 128 Seiten.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Andrea Mihm läßtKoffer sprechen: bürgerliches Reisegepäck, Schrankkoffer, Urlaubskoffer,und die letzten Koffer jüdischer Verfolgter. Texte über letztere nehmen rundein Zehntel des Buches ein. Interessant und hübsch im Layout wird dieKulturgeschichte des Koffers von der Gesindetruhe bis zum Business- Ge-