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päck 2001 ausgepackt. Am Anfang war die Truhe, im 19. Jahrhundert,, Heimstatt“ der Knechte und Mägde, Massenprodukt und Exportware dar-auf spezialisierter Thüringer Tischler. Allein 1838 wurden 1960 Zentnerdavon ausgeführt. Für männliche und weibliche Dienstboten, die häufig ihreArbeitsstätte wechselten, war das, was diese Truhen umschlossen, der ein-zige persönliche Besitz, ein Stück Heimat, Reisebegleiter und Erinnerungs-zeichen. Das Schicksal ihrer Besitzer schien vorgezeichnet. Das Auswande-rergepäck derer, die in Amerika Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Exis-tenz suchten, war dagegen ,, Hoffnungsträger“. Ein großes Kapitel widmetsich der Entwicklung des Reisegepäcks, vom Handwerk zur Fabrikation,von den anfangs speziellen Formen für bestimmte Gegenstände( der Pick-nickkoffer mit einem fixen Platz für jeden Teil erinnert noch daran) bis zuAuto- und Fahrradgepäck. Der Gepäckhersteller Louis Vuitton, dessen,, Monogramm Canvas" bis heute Exklusivität garantiert, war im ErstberufKofferpacker. Als professioneller Dienstleister, den Adelige und Bürgerengagierten, kannte er die Bedürfnisse der Reisenden aus erster Hand. FürFilmstars wurde der Schrankkoffer zum Lebenssymbol, das Hotel zur Hei-mat. Das stellt Andrea Mihm am Beispiel von Marlene Dietrich vor. DerKoffer, ein Gegenstand der Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftigesin sich vereint, ist, so die Autorin ,,, der Inbegriff des Reisens“.( HMW)
KÖCK, Christoph( Hg.): Reisebilder. Produktion und Reproduktion tou-ristischer Wahrnehmung.(= Münchner Beiträge zur Volkskunde, Band 29).Münster, New York, München, Berlin, Waxmann- Verlag, 2001, 242 Seiten,50 s/ w- Abb.
Bevor man aber den Koffer packt, hat man sich ein Bild vom Ziel gemacht.Der Faszination der Reisebilder widmet sich ein Sammelband, dem die5. Arbeitstagung der Kommission Tourismusforschung in der DeutschenGesellschaft für Volkskunde( München 1999) zugrunde liegt. 17 historischorientierte und gegenwartsbezogene Beiträge verdeutlichen das volkskund-liche und kulturwissenschaftliche Interesse an Fragen der visuellen Anthro-pologie im modernen Alltag; es geht um Leitbilder touristischer Wahrneh-mung, Produktion und Transformation von Reisebildern ,,, Das Authenti-sche" in touristischen Bildern, Rituale touristischer Wahrnehmung.
Der Münchner Kulturwissenschaftler Helge Gerndt verfasste das grund-legende Einleitungskapitel und umreisst den Forschungsgegenstand: ,, DasZusammenspiel von Innen- und Außenbildern, von inneren und äußerenErfahrungen der ,, gewöhnlichen Leute" repräsentiert jenes lebensgesättigte