Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LVI/ 105, Wien 2002, 225-226
Leopold Kretzenbacher zum 90. Geburtstag
,, Unter ständiger Mitarbeit von Leopold Kretzenbacher": Seit 1987scheint im Impressum der Österreichischen Zeitschrift für Volkskun-de vier Mal im Jahr dieser Vermerk auf. Gerechtfertigt und angemes-sen wäre ein solcher Hinweis bereits vor 40 Jahren gewesen. Denn1947, als Leopold Schmidt mit dem 50. Band der Zeitschrift und demersten Heft nach dem Krieg die Nummer I der Neuen Serie begrün-dete, war der gleichaltrige Kollege und spätere Freund LeopoldKretzenbacher gleich von Anfang an mit dabei: mit einem Aufsatzzum barocken Formwandel eines Renaissancethemas und dessenFortleben im Volksschauspiel und mit einer Rezension eines schön-geistigen Bändchens von Hanns Koren. Mit diesem Beitrag war einHauptthema angeschlagen, das Volksschauspiel, welches die beidenGelehrten auf ihrem gesamten gemeinsamen Weg begleitete.
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Seit diesem Neubeginn der Österreichischen Volkskunde nach demKrieg verging kaum ein Jahr, in welchem der Name Leopold Kret-zenbacher in der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde nichtals Autor präsent war. Ein bis zwei stattliche Aufsätze waren es jedesJahr, verschiedene Berichte über Kongresse, Ausstellungen oder,, Wandertagungen“ und-exkursionen- ein Genre für das der Jubilarexklusive Berühmtheit erlangte-, aber auch Nekrologe auf Kollegenund Freunde in traurig steigender Zahl mit Zunahme der eigenenLebensjahre und schließlich zahllose Rezensionen, die ein weitesinhaltliches und geographisches Feld abdecken. Auf diese Weiseverdanken wir Leopold Kretzenbacher bis heute 27 Abhandlungen,21 chronikalische Berichte und 166 Rezensionen in ,, unserer" unddamit ,, seiner" Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde. Selbstdieses festliche Doppelheft, das wir ihm in dankbarer Verehrung undVerbundenheit zu seinem 90. Geburtstag darbringen, können wir miteinem Titel aus seiner eigenen Feder eröffnen. Was könnte einenbesseren Beweis seines unermüdlichen forschenden Geistes und sei-ner, trotz zahlreicher Schicksalsschläge und Beschwernisse des Altersungebrochenen Schaffenskraft darstellen.
Ein Blick in die von seinem Nachfolger auf dem Lehrstuhl fürdeutsche und vergleichende Volkskunde der Universität München im