Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LVI/ 105, Wien 2002, 407-415
Mitteilungen
Ein frühes Wallfahrtsbild von Maria Taferl, Niederösterreich
Hermann Maurer
Die Entstehungsgeschichte der Wallfahrtskirche Maria Taferl wurde vonAlois Plesser und dessen Nachfolger² aufgearbeitet und gilt weitgehend alsgeklärt. Hinsichtlich der geistesgeschichtlichen und sozialen Hintergründe,des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums und der Legendendynamik eröffnet sich noch ein weitesBetätigungsfeld. Die diesbezüglichen Quellen sind aber nicht leicht aufzu-finden beziehungsweise zu ergründen³. Folgend soll als kleiner Beitrag dazuein etwas ungewöhnliches Andachtsbild vorgestellt und soweit möglichbesprochen werden.
Der vorliegende Kupferstich( Abb. 1) hat eine Höhe von 8,6 cm und eineBreite von 4,8 cm. Diese Maße ordnen das Bild den kleineren Wallfahrts-bildtypen zu. Der Stich ist am oberen und unteren Ende ganz knapp aberohne Bildverlust beschnitten. Die seitlichen Ränder weisen noch Reste desPlattenrandes auf. Bezeichnet ist das Stück am unteren Bildrand links mitG.B.f. und rechts mit P.R.B.inv., was bekanntlich soviel bedeutet, dass G.B.den Stich ,, gemacht“ hat, P.R.B. hat das Motiv erfunden. Weder bei Gugitz³
1 Plesser, Alois: Beiträge zur Geschichte der Wallfahrt und Pfarre Maria Taferl,Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt X. St. Pölten 1914,S. 1 ff.
2 Vgl. die Literaturzusammenstellung bei Gugitz, Gustav: Österreichische Gna-denstätten in Kult und Brauch 2, Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955,S. 122 ff. und die immer wieder aufgelegte Arbeit von Weichselbaum, Josef:Maria Taferl, Wallfahrtsbasilika zur Schmerzhaften Muttergottes, Schnell,Kunstführer 694, 10. Aufl. Regensburg 1995.
3 Weit ausholend dazu Häusler, Wolfgang: ,, Die blutige Scene der Geißler undKreuzzieher Rotten auf der Maria Taferl Wallfahrt und ihre schönen Früchte imphilosophischen Jahrhundert." Wallfahrtswesen und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum zwischen Jose-phinismus und Romantik. Das Waldviertel 31( 42), 1982, S. 177 ff.- Zu denmethodischen Grenzmöglichkeiten vgl. beispielsweise Staufer- Wierl, Edith:Volksfrömmigkeit nach Wiener Art, Mitteilungen aus dem Institut für Volkskun-de der Universität Wien 3, 1990, S. 48 ff.
4 Der Kupferstich wird in der Andachtsbildersammlung des Verfassers verwahrt.