2002, Heft 3+ 4
Chronik der Volkskunde
441
Montanlandschaft Erzgebirge
Kultur Symbolik- Identität
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Tagung des Instituts für Sächsische Geschichte und VolkskundeFreiberg, 24. und 25. Mai 2002
Das Erzgebirge als alte Montanlandschaft kann etliche Jahre nach derWende genauso wenig als ,, blühende Landschaft" angesehen werden wie vieleandere Regionen in den neuen deutschen Bundesländern. Was aber mit Sicher-heit blüht ist der Landschaftswandel, einmal ganz konkret infolge einer zwarvielleicht mühsamen, aber doch tiefgreifenden Strukturanpassung, zum ande-ren als bewusste und organisierte Arbeit an den Images der Region. Nun willsich das Erzgebirge als eines der Zentren des historischen Bergbaus als grenz-überschreitende Kulturlandschaft in Erinnerung rufen und damit gleichzeitigeine Vorreiterrolle im europäischen Einigungsprozeß übernehmen. Helfen da-bei soll ein Antrag um Aufnahme in die Liste des UNESCO- Weltkulturerbes:ein Zauberwort, das inzwischen zu so etwas wie zur Generalformel im ge-schichtsbasierten Stadt- und Regionenmarketing geworden ist.
Das mit Geschichte und Volkskunde mit zwei Standbeinen versorgteDresdener Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V.( ISGV)hat ganz richtig erkannt, daß die mit welchem Ergebnis auch immerversehene- kritische Begleitung solcher Prozesse sich gut in sein Profil alsregional verankerte Forschungs- und Dokumentationsstätte fügt. Und ummögliche Themen zu sondieren, Netzwerke in Theorie und Praxis aufzubau-en, besonders aber, um Zugangsweisen zur Erforschung montanistischerRegionen und Repräsentationen zu entwickeln, hat das Institut Wissen-schaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen( Volkskunde,Geschichte, Industriearchäologie und Denkmalpflege) zu einem Kolloqui-um nach Freiberg gebeten. Die eben restaurierte alte Mensa der Bergakade-mie( heute TU) gab dafür den idealen Rahmen ab. Rund 80 Teilnehmer,darunter viele aus der Region, diskutierten an den beiden Tagen die Spezi-fika regionaler Identitäten in Montanregionen wie dem Erzgebirge, ihreKonstruktion und Vermittlung in Symbolen und gingen der Frage nach dengenerellen Regeln regionaler Kulturprägungen in der Moderne nach.
Nach den Begrüßungen durch örtliche Repräsentanten und durch denDirektor des ISGV, Winfried Müller, der die Bedeutung des Projektes fürdas Institut betonte, lag es an Sönke Löden, in das Tagungsthema einzufüh-ren. Er verband die Erläuterung der aktuellen Entwicklung in der Regionund der damit verbundenen öffentlichen Ansprüche mit dem durchausselbstkritischen Hinweis auf die gefährlich großen Begriffe des Untertitels:Kultur, Symbolik, Identität. Wenn die wissenschaftliche Analyse diese alsKoordinaten übernehme, dann nicht in ihrer essentiellen Dimension, son-