Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
459
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LVI/ 105, Wien 2002, 459-504

Literatur der Volkskunde

BINDER, Beate, Wolfgang KASCHUBA, Peter NIEDERMÜLLER( Hg.): Inszenierungen des Nationalen. Geschichte, Kultur und die Politikder Identitäten am Ende des 20. Jahrhunderts(= alltag& kultur, Bd. 7).Berlin, Böhlau Verlag, 2001, 332 Seiten.

Nationaler Diskurs im ausgehenden 20. Jahrhundert darf nicht als einfacheRenaissance nationalistischer Bestrebungen des späten 18. und des 19. Jahr-hunderts betrachtet werden. In zweihundert Jahren mehr oder wenigernationalbestimmter Politik( inklusive der kommunistischen Versuche derNation- unterdrückenden Politik) haben sich je nach Ort, Staat und ge-schichtlicher Erfahrung Diskursmuster, Symbolhaushalte, Erinnerungs-strategien und öffentliche Darstellungen oder Performanzen herausgebildet,die man, analog zu Gérard Genettes ,, littérature au second degré", einNationalisierungsinstrumentarium zweiten Grades nennen könnte, wäre esnicht stets von Naturalisierungsbestrebungen und Identitätsstiftungen um-garnt, die seine reflexive Komponente zu unterdrücken versuchen. DerVerdienst des vorliegenden, reichhaltigen Bandes besteht darin, diesemInstrumentarium gesellschaftsvergleichend nachzugehen, und dabei insbe-sondere auf Zeiträume seit der Wende von 1989 einzugehen. Gewachsen istdie Idee hierfür aus einem 1996 begonnenen Projekt am Institut für Euro-päische Ethnologie an der Humboldt- Universität zu Berlin: ,, Ziel war es,die wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurse um die historische undethnische, die soziale und nationale Neulegitimierung staatlich- gesell-schaftlicher Selbstbilder in Ungarn, Rumänien, Schweden und Deutschlandin ausgewählten Motiven begleitend zu beobachten und vergleichend zuuntersuchen( S. 9). Neben diesen vier Nationen kommt in zwei Beiträgenauch Russland zur Sprache, Österreich wird thematisiert und weitere euro-päische Länder werden gestreift.

Wolfgang Kaschuba stellt im ersten von insgesamt 13 Beiträgen dieForschungsfragen detailliert vor, und bringt die thematischen Schwerpunktemit der theoretischen und methodologischen Problematik in Berührung. Dasausgehende 20. Jahrhundert konfrontiert die hier vergleichend gegenüber-gestellten westlichen wie postkommunistischen Gesellschaften mit Integra-tionsproblematiken neuer sozialer und ökonomischer Grössenordnung.Dem Rekurs auf ,, das Nationale als Integrationskonzept- bei dem die