2002, Heft 3+ 4
Literatur der Volkskunde
465
einem dem Gegenstand entsprechenden weiten Sinn wird das Subjekt- Ob-jektverhältnis, das heißt die gegenseitige Bedingtheit von Sammeln undWegwerfen ausgeleuchtet.
-
-
Zunächst unerwartet, weil selten und auch nicht deklariert ist der litera-turgeschichtliche Zugang von„, Sammeln Ausstellen Wegwerfen", derbei aller Vielfalt der Themenstellungen einen deutlichen Schwerpunkt bil-det. Dass das in den rahmenbildenden Texten( Titel, Klappentext, Einlei-tung) unerwähnt bleibt, ist nicht ganz verständlich. Im Gegenteil hätte einstringenter literaturwissenschaftlicher Ansatz das heterogene Themenfeldwomöglich für Leserin und Leser konturenreicher zugänglich gemacht.
Christian Stadelmann, Regina Wonisch
BONACKER, Kathrin: Illustrierte Anzeigenwerbung als kulturhistori-sches Quellenmaterial(= Marburger Beiträge zur Kulturforschung, Archiv-schriften, H. 5). Marburg, Jonas Verlag, 2000, 96 Seiten, 5 s/ w- Abb.
BONACKER, Kathrin: Hyperkörper in der Anzeigenwerbung des20. Jahrhunderts. Marburg, Jonas Verlag, 2002, 143 Seiten, zahlr. SW- Abb.
Seit die Kulturwissenschaften den Konsum als Forschungsfeld entdeckthaben, entstehen auch im Rahmen der Volkskunde/ Europäischen Ethnologieeinschlägige Arbeiten. Die beiden vorliegenden Bücher von Kathrin Bo-nacker basieren auf ihrer am Institut für Europäische Ethnologie/ Kulturwis-senschaft der Philipps- Universität Marburg eingereichten Dissertation undbeschäftigen sich mit einem Teilbereich des Konsums, der Anzeigenwer-bung. Im ersten Band widmet sie sich der Quellenkritik sowie methodischenProblemen im Umgang mit illustrierter Anzeigenwerbung, im zweiten Bandanalysiert sie die Darstellung männlicher und weiblicher Körper in derAnzeigenwerbung des 20. Jahrhunderts. Die Autorin will damit einerseitseinen Beitrag zur Quellendiskussion leisten, andererseits am Beispiel desKörpers vorführen, wie illustrierte Anzeigenwerbung kulturwissenschaft-lich erschlossen werden könnte.
Bonackers Untersuchung liegt die Vorstellung zugrunde, dass es sich beiillustrierter Anzeigenwerbung um„ Kulturkonzentrate“ handelt, um Über-zeichnungen der jeweiligen zeitgenössischen Realität. An der inszeniertenMomentaufnahme in der Werbung lassen sich demnach Werte, Perspekti-ven, Gefühle, Farben etc. ablesen, die in der jeweiligen Zeit als idealtypischverstanden werden( wobei Bonacker den Begriff ,, idealtypisch“ nicht imSinne Max Webers verwendet, sondern zur Bezeichnung und Beschreibungvorgefundener positiver Stereotypen). Die Autorin mißt der Anzeigenwer-