Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
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2002, Heft 3+ 4

Literatur der Volkskunde

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KONTOMICHIS, Pantazis: Λεξικό του Λευκαδίτικου ΓλωσσικούIdióμαtos[ Lexikon des Sprachidioms von der Insel Leukas]. Athen, Gri-goris, 2001, 413 Seiten, ISBN 960-333-226-7.

Pantazis Kontomichis hat sich um die Volkskunde der kleinen Insel Leukas( Lefkada), der Gruppe der Ionischen Inseln in Westgriechenland angehörigbesonders verdient gemacht, und dies ist der siebente Band einer Reihe vonMonographien, die sich mit Geschichte und Kulturgeschichte, Volkskundeund Literatur seiner Heimatinsel beschäftigen. Dialektlexika können einebesondere Fundgrube für volkskulturelle Gegebenheiten darstellen; unddies ist auch hier der Fall. Wie der Untertitel der Monographie darlegt,handelt es sich bei dem vorliegenden Lexikon um ein idiomatisches, herme-neutisches und volkskundliches( laographisches) Nachschlagewerk. ZurZusammenstellung des Lexikons wurden nicht nur die Wortzeugnisse derVolkskultur herangezogen, sondern auch ältere einschlägige Arbeiten aus-gewertet, bzw. das Literaturwerk von Dichtern, die Leukas zur Heimat habeund in ihren Gedichtsammlungen den Inseldialekt verwenden. Dies war z.B.bei Angelos Sikelianos, besonders in seinen ersten Gedichtsammlungen1919 der Fall. Der idiomatische Wortschatz der Insel spiegelt auch ihrebewegte Geschichte wieder: von den Altgriechen zu den Römern, von dortzu den Byzantinern, 1293–1381 Lateinerherrschaft( 1331-1362 die Franzo-sen und Süditaliener), 1262-1479 in der Hand der Tocci, einer aristokrati-schen Familie aus Florenz, 1479-1684 Türkenherrschaft( die einzige derIonischen Inseln, die in die Hände der Türken fiel), 1684-1797 Venezianer-herrschaft, 1797/98 Napoleonische Truppen, 1897-1800 russisch- türkischeHerrschaft, 1800-1807 russische Oberhoheit, 1807-1810 die kaiserlichenFranzosen, 1810-1864, britisches Protektorat, nach 1864 griechisch. Diesebewegte Geschichte schlägt sich im griechischen Wortschatz deutlich nie-der. Ein Prolog( S. 9 ff.) beschreibt kurz die hauptsächlichen Eigenheitendes Idioms nach Phonologie, Morphologie und Syntax und bringt Angabenüber die Quellenbereiche der Lemma- Zusammenstellung. Das Lexikonselbst( S. 19-347) profitiert von den intensiven volkskundlichen Studienseines Verfassers, denn manche Stichwörter enthalten kleine Brauchbe-schreibungen, erörtern die Bedeutung von Sprichwörtern, beziehen sich aufGegenstände der Sachkultur und ihre Gebrauchsfunktionen usw. Alleinschon das Durchblättern des Lexikons ist überaus instruktiv. In einemAnhang folgen noch ältere und im Umfang weit beschränktere einschlägigeLexika: der ,, Syllabos von Ioannis Stamatelos, in der Zeitschrift desGriechischen Philologischen Vereins von Konstantinopel erschienen( S. 351-402) bzw. das ,, Glossarion von G. Ch. Marangos, das im gleichenPeriodikum zum selben Zeitpunkt erschienen ist( S. 403-413). Nachschla-