476
Literatur der Volkskunde
ÖZV LVI/ 105
gewerke dieser Art sind wichtige Hilfsmittel für die Komparatistik; leiderist es eher eine Seltenheit, daß Dialektlexika gezielt volkskundliches Mate-rial miteinbeziehen, ja daß dieses sogar tonangebend wird, was sich hierschon bei einem flüchtigen Durchlesen bemerkbar macht.
Walter Puchner
VARVUNIS, M. G.: Νεοελληνικοί εθιμικοί εκκλησιαστικοί πλειστηpiασμoí[ Neugriechische rituelle kirchliche Versteigerungen]. Thessaloni-ki, University Studio Press, 2002, 397 Seiten, zahlreiche Abb. auf Taf.,Verbreitungskarten, Graphiken, English summary, ISBN 960-12-1048-2.
Arbeiten des Lektors an der Thrakischen Universität in Komotini in Nord-griechenland sind an dieser Stelle öfters angezeigt worden, doch bei dieserMonographie handelt es sich um eine systematische Studie von besondererGüte, die auf jahrelangen Vorarbeiten aufbaut und zu besonders interessan-ten Ergebnissen kommt, auf einem Sektor, der von der griechischen Volks-kunde bislang noch nicht systematisch bearbeitet worden ist: die brauchtüm-lichen kirchlichen Versteigerungen an Heiligenfesten und Kirchtagen. Da-bei geht es nicht so sehr um den Erwerb von Gegenständen als von Vor-rechten, bei gewissen ekklesialen Symbolhandlungen eine führende( Hilfs-)Rolle spielen zu dürfen, was aus Motiven des sozialen Prestiges in derDorfgruppe geschieht und die Kirchenkassen füllt. Dies bezieht sich auf dasHalten von Ikonen, Wimpeln und Reliquien, das Tragen des Kreuzes in derProzession am Theophanietag, bevor dieses ins Wasser geworfen wird undvon den Schwimmern in einer Art Wettkampf aus dem Naß geborgen wirdusw. Darauf gehen wir in der Folge noch detailliert ein. Diese kirchlichenVersteigerungen von Vorrechten sind, wie die Einleitung dartut( S. 15 ff.),bisher nur nebenbei und in anderen Zusammenhängen behandelt worden.Erst 1994 findet sich eine systematische Arbeit von Minas Alexiadis überden Brauch auf Karpathos, und seither trägt der Verfasser veröffentlichtesund unveröffentlichtes Fallmaterial zusammen, um eine monographischeund umfassende Dokumentation und Darstellung des Brauches auf panhel-lenischer Ebene zu erzielen, wobei auch das historische Griechentum inKleinasien in Betracht gezogen wird, das sich gerade für diese ekklesialeBrauchform als besonders wichtig erweist. Sein Fallmaterial umfaßt insge-samt 746 Fälle im weiteren hellenophonen Raum.
Die Arbeit geht nach eher konventioneller Methodik vor: Der erste Teilbehandelt die Quellen. Zuerst eine Auflistung der Festtage im Herotologion;um die 60 Heiligen- und Festtage sind hier genannt, zuzüglich der Ge-