2002, Heft 3+ 4
Literatur der Volkskunde
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Akademie Athen( ed.): Ελληνικά δημοτικά τραγούδια( εκλογή)[ Grie-chische Volkslieder. Auswahl]. Athen 1962, photomechanischer Nachdruck2000( Akademie Athen, Veröffentlichungen des Laographischen Archivs,Nr. 7), XXXII+ 518 Seiten.
Der vom Forschungszentrum für Griechische Volkskunde( ehem. Laograhi-sches Archiv) nachgedruckte erste Band der Akademie- Ausgabe der Grie-chischen Volkslieder stellt eine willkommene Bereicherung der griechi-schen Volksliedstudien dar, geht es doch um eine der am besten kommen-tierten Auswahlsammlungen, die je erschienen sind. Die griechische Volks-liedforschung hat seit 1970 eine dynamische Blüte erlebt( vgl. W. Puchner,,, 25 Jahre Forschung zum griechischen Volkslied", in: Studien zum griechi-schen Volkslied, Wien 1996, 223-294), und diese klassische Edition wirdvon den einschlägigen Forschern immer wieder in die Hand genommen. Sieist seit langem vergriffen. An der Ausgabe haben drei Herausgeber gearbei-tet, die heute alle nicht mehr leben: G. K. Spyridakis, der die Einleitungverfaßt hat und die Katgorie der ,, Akriten- Lieder" übernommen hat, G. A.Megas, der die historischen Lieder betreut hat, D. A. Petropulos, der dieKleftenlieder ausgewählt und kommentiert hat, und G. K. Spyridakis undD. A. Petropulos, die gemeinsam den Abschnitt zu den Balladen übernom-men haben. Der zweite Band dieser Liedausgabe, der die übrigen Kategorienumfassen sollte( religiöse Lieder, Totenklagen, Liebeslieder, Lieder auf dieFremde, satirische Lieder, Arbeitslieder, Wiegenlieder usw.) ist leider nieerschienen, doch sind hier verschiedene anderen Sammlungen( vor allemvon G. Saunier u.a.) eingesprungen, der dritte Band, der den Musikaufzeich-nungen gewidmet war, ist 1968 erschienen und soll auch wiederaufgelegtwerden.
Die 27 Seiten umfassende Einleitung geht auf den Begriff des Volksliedesim allgemeinen ein, seine historischen Wurzeln in Griechenland, sodann aufdie einzelnen Kategorien: Akritische Lieder, historische, Kleftenlieder, Bal-laden, erläutert die Editionsprinzipien( keine Eingriffe in die Varianten)sowie Ziele und Vorgeschichte der vorliegenden Sammlung. Hier ist freilichmanches heute überholt, doch ist es auch lehrsam zu sehen, von welcherGrundlage die Methodendiskussion nach 1970 ausgegangen ist. Die einzel-nen Abschnitte verfahren folgendermaßen: Jeder Liedtext wird von einerkurzen Einleitung begleitet; zu den einzelnen Liedtypen sind jeweils auchVarianten gebracht, in margine läuft eine Verszählung, Worterklärungenerfolgen in Form von Fußnoten, am Ende des jeweiligen Liedtextes folgendie Angabe zu Ort und Quelle. Die Akritenlieder( S. 3-118) umfassenfolgende Beispiele: Die Lieder von Digenes Akritas sind mit neun Beispie-len vertreten, es folgt das Armuris- Lied, das Lied von Theophylaktos, von