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Literatur der Volkskunde
ÖZV LVI/ 105
Der Athener Livanis- Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Büch-lein ins Griechische rückzuübersetzen. Doch hier konnte der Autor nun dochdeutlicher eingreifen: Neben der Einleitung( S. 9 ff.), den Kapiteln zurVerbürgerlichung( S. 19 ff.), zur Familie( S. 25 ff.), zu den Festen( S. 65 ff.), zur Ernährung( S. 89 ff.) zu den Volksliedern( S. 109 ff.) hat erdas zu schmale Märchen- Kapitel weggelassen( Epilog S. 131 ff.), dafür dreiandere Kapitel in einem Anhang hinzugefügt: ,, Die europäische und grie-chische Aufklärung“( S. 139 ff., zuerst bei einem Kongreß in Neapel 1997vorgetragen) ,,, Das Haus des Menschen“( aus einem Vortrag 1996) und,, Athen: die geteilte Stadt“( S. 161 ff., Artikel in ,, Epilogos“ 2000), wobeihauptsächlich Palamas- Gedichte verwendet werden. Durch diese Beifügungbekommt das Bändchen nun doch eine für Meraklis repräsentativere Viel-falt. Auch hier beschließt die Ausführungen eine kurze Bibliographie( S. 177 ff.). Sicherlich kann diese Auswahl die dreibändige Einführungnicht ersetzen, gibt aber doch einen Vorgeschmack auf den Arbeitsstil undden Quellenhorizont von Meraklis. Trotzdem wird man es doch bedauernmüssen, daß das Unterfangen nicht etwas systematischer ausgefallen ist,denn nun ist das Verlagsinteresse an einer wissenschaftlichen GriechischenVolkskunde im deutschen Sprachraum für längere Zeit erheblich gesunken.Walter Puchner
FLORAKIS, Alekos E.: Κάποτε στην Τήνο. Παλίμψηστα λαογραφικά[ Einst auf der Insel Tinos. Volkskundliche Palimpseste]. Athen, Erinne- Ver-lag, 2002, 175 Seiten, mehrere Abb.
Der Verfasser, Verwandter des für die Erforschung der Volkskultur derKykladen- Insel Tinos mit der berühmten Marien- Wallfahrt Alekos Florakis,hat 1983 einen Rapport de D.E.A. an der École des Haute Études en SciencesSociales in Paris( formation à la recherche en anthropologie sociale etethnologie) mit einem einschlägigen Thema verfaßt( Recherche sur l'espacesacré et la toponymie dans l'île de Tinos) und legt nun in diesem anspre-chenden Büchlein einige Kapitel vor, die eher der traditionellen Volkskundeangehören und auf jahrelange Feldforschung im Stil der„, einfühlendenBeobachtung“ zurückgehen. Dies ist gleich im ersten, etwas autobiographi-schen Kapitel( S. 9 ff.) festgehalten, wo in etwas poetischer Weise dieInvolviertheit des ,, Forschers" in seinem ,, Feld" betont wird, als sich dieses,, Feld" längerfristig als Grundlage seiner eigenen Icherfahrung herausstellt.Das zweite Kapitel ,, Prägende Faktoren der Volkskultur“( S. 17 ff.) geht aufhistorische und geographische Gegebenheiten ein: Tinos war die letzte aller