Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
Seite
73
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1997, Heft 1

Chronik der Volkskunde

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Hundert Jahre ,, Jaufenthaler- Krippe❝

im Österreichischen Museum für Volkskunde

Nach monatelangen Arbeiten, an denen ein großer Teil der Museumsmitar-beiterinnen und-mitarbeiter beteiligt war, konnte am 1. Dezember 1996 die,, Jaufenthaler- Krippe in neuem Glanz präsentiert werden. Den Anlaß fürdiese Ausstellung bot ein denkwürdiges Jubiläum: Vor hundert Jahren, also1896, konnte diese große, kostbare Weihnachtskrippe vom Verein für Volks-kunde für das eben erst gegründete Museum erworben werden. Diese Krippesteht somit am Beginn der Sammeltätigkeit. Sie zeugt von der guten Handder Museumsgründer und gibt Einblick in deren vorbildliche museologischeArbeitsweise. Das bewegte Schicksal der Krippe spiegelt ein Stück Mu-seumsgeschichte, das sich anhand der gewissenhaften Dokumentation durchMichael Haberlandt und Wilhelm Hein eindrucksvoll nachvollziehen läßt.

Bekanntlich hatten die Museumsgründer im Börsegebäude am Ring eineerste Möglichkeit gefunden, ihre Sammelergebnisse einer breiteren Öffent-lichkeit vorzustellen. Damit sollte nicht nur die Intention einer neuen Wis-senschaft, der Volkskunde( Ethnographie), vorgestellt, sondern auch dasInteresse dafür in der Wiener Gesellschaft geweckt werden. Einen besonde-ren Anziehungspunkt bildete dabei von Anfang an die sogenannte ,, Jaufent-haler- Krippe aus Vill bei Innsbruck- Igls.

Die ,, Jaufenthaler Krippe stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Esdürfte sich dabei vermutlich um eine barocke Kirchenkrippe handeln, diewegen der Verbote Josephs II. aus der Kirche( von Wilten oder Vill?) entferntwerden mußte und so wahrscheinlich in Privatbesitz kam. Die Krippebesteht aus 256 bekleideten Figuren, deren Köpfe und Gliedmaße überausfein geschnitzt bzw. aus Wachs bossiert sind. Neben den vorzüglichenVolkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen, die ein getreues Abbild aus der bäuerlichen Welt Tirols darstel-len, verdienen besonders die prächtigen Barockengel und der lange beritteneZug der Heiligen Drei Könige hervorgehoben zu werden. Insgesamt umfaßtdie Krippe an die 900 Einzelteile, die unter der Nummer 9.121 bis 10.018im Inventarbuch vermerkt sind.

,, Der letzte Besitzer unserer Krippe", schreibt Michael Haberlandt 1897im ersten Museumskatalog ,,, war der Bauer Simon Jaufenthaler in Vill( Nr. 6) bei Innsbruck, von welchem sie der Verein für österreichische Volks-kunde käuflich erwarb. Von dessen Urgroßvater Lorenz an war sie imBesitze der Familie Jaufenthaler. Dieser sowie der Grossvater Franz und derVater Georg( gestorben 1892 im Alter von 79 Jahren) waren in Wilten( imVolksmunde Wiltau) bei Innsbruck geboren, wo sie beim Schneider Lenz( Lorenz) oder Franz wohnten. Georg Jaufenthaler zog nach seiner Verheira-tung nach Vill, wo im Jahre 1847 Simon geboren wurde. Jeder von dengenannten Besitzern stellte die Krippe alljährlich von Neuem auf, das letzte