Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LI/ 100, Wien 1997, 83-112
Literatur der Volkskunde
Die mährischen Kroaten. Bilder von Othmar Ružička. Begleitbuch zurgleichnamigen Sonderausstellung des Ethnographischen Museums SchloßKittsee. Bearbeitet von Barbara Tobler. Mit Beiträgen von Prof. Dr. DragutinPavličević, Zagreb, und Dr. Anto Nadj, Wien. Kittseer Schriften zur Volks-kunde. Veröffentlichungen des Ethnographischen Museums Schloß Kittsee,Heft 7. Kittsee, Eigenverlag, 1996, 44 Seiten u. 36 Farbtaf.
Den 7. Band schon konnte das so sehr tätige Ethnographische Museum imnordburgenländischen Schloß Kittsee mit seinen weit über Ost- und Südost-europa ausgreifenden ,, Kittseer Schriften zur Volkskunde" vorlegen. Dies-mal mit auch phototechnisch vorzüglich gelungenen Bildern zur Volkskulturjener ,, Mährischen Kroaten“( Moravski Hrvati), denen ab dem Ende des 19.bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts im Wiener Meister Othmar Ružička( 1877-1962) ein so liebevoll beobachtender, ohne avantgardistische Allü-ren dokumentarwertig zeichnender und malender Meister entwachsen ist,wie wir es für unsere Alpenländer in Biedermeier und Erzherzog Johann-Zeit in Waldmüller, Gauermann, Lederwasch und anderen kennen undseitens einer ,, Volkskunde als Wissenschaft vom Leben in überliefertenOrdnungen“( Leopold Schmidt) zu schätzen wissen. O. Ružička, in Wiengeboren als Sohn eines tschechischen Eisenbahnbeamten und einer deut-schen Mutter aus Niederösterreich, hatte in Wien 1896 bis 1903 an derAkademie der bildenden Künste mit erstaunlichem Erfolg und vielen Preisenstudiert. Nach Studienaufenthalten in Italien, in Oberösterreich und imBöhmerwald wurde jenes kroatische Fröllersdorf( Frielištof) in Südmährensein immer wieder aufgesuchtes Hauptziel, auch Wohnort von 1906 bis zurVertreibung 1945 und damit Rückkehr nach Wien.
Zu diesen reizvollen Bildern, die man am liebsten als Postkartenserie wiejene von Waldmüller erwerben möchte, zeichnet Klaus Beitl Entstehung,Wert und Würde dieser Sammlung. Dragutin Pavličević berichtet überGeschichte und Wesen dieser schicksalhaft aus ihrer südosteuropäischenHeimat zwischen Adria und Kupa( Kulpa) unter dem Druck türkisch- osma-nischer und wallachischer Bedrängnis ausgewanderten Gemeinschaft, diesich in mehreren Siedlungswellen( 1538, 1570, 1584) als der damit nörd-lichste Zweig der ,, Burgenländischen Kroaten“( Gradišćanski Hrvati) unterFührung mitauswandernder kroatischer Adeliger und glagolitischer Geistli-cher im weiten Raum zwischen der unteren Donau und der dortigen Mur bis