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Literatur der Volkskunde
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Der( pädagogische) Erfolg dieser Anleitungen wird schließlich sogar ineinem„ Quiz“ abgefragt. Hat man die CD- ROM aufmerksam ,, durchgear-beitet", so stellen die gestellten Fragen kein Problem dar. Jede korrekteAntwort wird denn auch mit betonter Munterkeit durch ein ,, Bravo, das warrichtig!" belohnt. Fotopuzzles und ein ,, Dalli- Klick- Spiel" übernehmen dievisuelle Seite der mehr oder weniger kurzweiligen Wissenskontrolle: Bilder,die man ebenfalls von der Informationstour oder Routenplanung her kennt,müssen richtig zusammengestellt beziehungsweise aufgrund möglichst we-niger Teile erkannt werden. Das entspricht der Methode von multimedialenLernprogrammen, für Reiseführer ist diese Form der Lernzielkontrolle neu.
Die vorliegende CD- ROM spiegelt immer wieder das alte Dilemma jedesReiseführers, aber auch das Dilemma jedes jungen Mediums wider. Man istan die linear strukturierten Informationsträger gewöhnt und tut sich schwer,mögliche Vorteile der interaktiven Multimedialität zu nutzen. Produzentenwie Konsumenten zeigen sich dabei gleichermaßen rat- und phantasielos.Es ist dieselbe logische Trägheit wie jene, aus der heraus einst die erstenAutomobile in ihrer äußeren Form als Kutschen gebaut worden sind.
So faszinierend das Entdecken neuer Menüfolgen des Reiseführers ist, sounklar ist es, wie dieser und von wem er eigentlich benutzt werden soll.Drucken wir uns die entsprechenden Routenpläne und Textinformationenaus, um sie dann mitzunehmen? Sollen wir in Zukunft die Reise von zuHause, vom PC aus vorbereiten und durchorganisieren? Oder ist die CD-ROM bloẞ dazu da, daß wir uns einstimmen und dann den Buch- Reiseführer( der denn auch im Paket mit der CD- ROM angeboten wird) in den Urlaubmitnehmen? Sind nicht vielleicht professionelle Reisebegleiter die eigentli-che Zielgruppe und die zufriedensten Anwender, da ihnen die CD- ROM ihreArbeit erheblich erleichtern kann? Oder haben wir es einfach mit einem,, Kennst- Du- Wien“ zu tun, einer modernen Form eines Brettspiels? Allediese Fragen scheinen auch vom Verlag noch nicht schlüssig beantwortet zusein: Bis auf weiteres, so beschied man auf unsere Nachfrage, ist keineNeuauflage, kein Update geplant.
Klara Löffler und Christian Stadelmann
SIMON, Michael, FRIESS- REIMANN, Hildegard, Volkskunde als Pro-gramm. Updates zur Jahrtausendwende. Münster, New York, WaxmannVerlag, 1996, 145 Seiten.
Die janusköpfige Figur des Titelbildes steht für das Programm des vorlie-genden Bandes: Es soll in gleichem Maße von der Volkskunde im Übergang,vom Blick zurück und von der Zukunft des Faches die Rede sein. Unter demEindruck aktuellen Krisenmanagements in der Volkskunde wolle man, so