Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
Seite
103
Einzelbild herunterladen
 

1997, Heft 1

Literatur der Volkskunde

103

eines Kulturhauses mit Spielplatzmitte nach der früheren, archaischen Tra-dition sinngemäß als Vorspiel aufgefaßt zum, Krippen- und Hirtenspiel"mit Liedgesang und Hirtentanz zum Rasseln der Ringstöcke der von Engel-stimmen aus dem Schlafe Geweckten. Aber ob solch eigenartige, kindlich-naiv erscheinende, dabei Grundfragen der Heilsgeschichte, ja der mittelal-terlichen Theologie ins Volkstümliche verdichtende Formensprache auchweiterhin noch angenommen und jenes auf jeden Fall brauchtumsgebundene Glossar ::: zum Glossareintrag  brauchtumsgebundene,, Volksschauspiel" in unserer von gänzlich anderen Themen und dem über-mächtigen Einwirken von hochtechnisierten Kommunikationsmedien ge-prägten Zeit überleben wird, ist freilich eine Frage, die offen bleiben muß.Das klingt nicht zuletzt in den von der Verfasserin aufgezeigten derzeitigenbzw. künftigen Schwierigkeiten rund um die Spieltradition in Laßnitz an.Die von ihr in Erwägung gezogenen, wenn auch vorsichtig formuliertenReformen sowie Textrevisionen würden jedoch unweigerlich zu einemraschen Verfall des von Generationen getragenen, tief in die ,, Volkskultur"eingebetteten, traditionsgebundenen Erbes führen. Es ist aber durchauserfreulich und nützlich, daß sich mit diesem Beitrag nun auch die Liturgie-wissenschaft zur Volksschauspiel- Thematik zu Wort meldet und ihre Aspek-te herausstellt. Zweifellos prägten diese, neben vielen anderen Komponen-ten, durch ihre halbliturgisch verbliebene Gestik so manche dieser Spiele,was aber nicht dazu verleiten sollte, sie durch Überbewertung eines solchenTeilaspektes in den Rang einer ,, volksreligösen Andacht zu erheben.Elfriede Grabner

DESSAI, Elisabeth, Hindus in Deutschland. Moers, Edition Aragon, 1994,252 Seiten, Tabellen.

Elisabeth Dessai plant eine dokumentarische Reihe über Hindus in Europa,die Bände über Hindus in Holland und Portugal sind bereits in Vorbereitung.Die Autorin sieht das vorliegende Buch über ,, Hindus in Deutschland" alsden ersten Schritt in ihrem ehrgeizigen Vorhaben, diese neue religiöseMinderheit in ganz Europa zu erforschen und deren ,, Wurzeln nicht nurin Indien selbst, sondern weltweit- zu verfolgen.

Die Erwartungshaltung, die viele Inder Deutschland entgegenbringen,wird von indophilen deutschen Gelehrten des 19. Jahrhunderts( besondersMax Müller) positiv geprägt, das idealisierte Bild der Deutschen aber meistenttäuscht. Die deutsche Medienberichterstattung über Indien wird vonindischen Einwanderern als ein Ärgernis empfunden. Das Wissen der deut-schen Normalbürger über den Hinduismus ist gering. Das den Hindus heiligeHakenkreuz erinnert Deutsche an die Zeit des, Tausendjährigen Reichs.