1997, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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noch zu viel Allgemeines, nicht für die Situation im Aufnahmeland Spezi-fisches im Mittelpunkt des Interesses. Der Wahrnehmung indischer Proble-me wird zu breiter Raum geschenkt. Der in der Fortsetzung geplante Ver-gleich mit Hindus in anderen europäischen Ländern könnte in diesen Punk-ten nicht viel Neues bringen. Elisabeth Dessai beschrieb mir ihr weiteresVorgehen in einem persönlichen Schreiben, welches auch von ihrem gewal-tigen Engagement zeugt. Sie führt Interviews in Holland, Surinam, Portugal,Gujerat, Mozambique, Frankreich und Sri Lanka durch( sie selbst endet ihreAuflistung mit ,, und und und"!). Sie teilt mir Erfreuliches mit: ,, Die Finan-zierung ist gesichert. Die Arbeit wird immer leichter, weil ich a) mit jedemInterview dazu lerne und b) langsam immer mehr Unterstützung von Wis-senschaftlern erhalte, die inzwischen realisiert haben, daß ich mein vor 10Jahren vorgestelltes und vor vier Jahren begonnenes Projekt TATSÄCH-LICH durchziehe." Es handelt sich also doch nicht mehr um einen völligenAlleingang( abgesehen davon, daß Elisabeth Dessai auch bisher mit ihremindischen Mann zusammenarbeitete). Dies wird ihre Leistung gewiß nichtschmälern. Elisabeth Dessai stellte Großes in Aussicht.
Bernhard Fuchs
EHMANN, Hermann, oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache(= Beck'sche Reihe 1170). München, Beck, 1996. 159 Seiten.
Jugendsprache ist in den letzten Jahren fast zu einem Modethema geworden.So nimmt es nicht wunder, daß Hermann Ehmann seinem Erstling affengeil.Ein Lexikon der Jugendsprache(= Beck'sche Reihe 478), München 1992( dazu Rez., in: ÖZV XLVII/ 96, 1993, 222 – 225) eine Fortsetzung folgenläßt.
Im Hauptteil des anzuzeigenden Werks sind ca. 470( nicht ca. 500, wieS. 2 angegeben) jugendsprachliche Ausdrücke registriert und erklärt( S. 27140). Dabei handelt es sich um eine Auswahl aus einem Material,das Ehmann zunächst in( von deutschen Jugendlichen frequentierten) Tou-ristenzentren auf Mallorca(!) gesammelt und dann in Deutschland undÖsterreich ,, nach- bzw. querrecherchiert“ hat( S. 10 f.); ausgespart bleiben„ Kraftausdrücke und Pejorativa aus dem ,, Psychiatrie-, Sexual- und Fäkal-bereich"( S. 12). Dieses correctness- Prinzip hat der Autor allerdings nichtüberall walten lassen es ist kaum zu übersehen, daß Ösis( nur m.?), Österreicher( wie übrigens auch Aussis, Ausländer und Ossis, Ostdeut-sche') in den angeführten Beispielsätzen nicht unbedingt gut wegkommen:Ösis sind hohl, langweilig, dumm'( S. 101) und Pappnasen, Witzfiguren( S. 102), sie sollen abschweben( S. 34) bzw. sich wegklemmen, abhauen