Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
Seite
185
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LI/ 100, Wien 1997, 185-222

Warum haben Österreicher keinen Bedarfan Nationalhelden?

Hiesige Anmerkungen zu ,, Les héros nationaux:construction et déconstruction"*

Reinhard Johler

Es fehlt den Österreichern nicht an Helden: Hiesige Heldenhaben sich in Kriegen mutig hervorgetan, sie haben Verhand-lungen erfolgreich geführt, sie wirkten besonders vorbildhaftals treue Heroen der unterschiedlichen politischen Parteien,sie traten im Sport und in der Kultur in den Vordergrund, jasogar die Helden des unscheinbaren Alltags nehmen zu. Wenndaher kein Mangel zu konstatieren ist, bleibt doch im Ver-gleich ein auffallendes und erklärungsbedürftiges Manko fest-zuhalten. Konsensfähige und national kanonisierte Heldensind in Österreich selten, ihre historische Standfestigkeit istletztlich gering. In einen internationalen Kontext gestellt, giltes daher für Österreich zu ergründen, was auch die Wiener,, Neue Kronen Zeitung" zum Nationalfeiertag 1996 bewegte:,, Es ist schwer, ein Nationalheld zu sein."

1. Helden: 1996/97

Es gibt genug Helden in Österreich- wie auch andernorts. Rechtzei-tig zum Millennium etwa bescherten die Titelseiten der Wiener Tele-fonbücher für die Buchstaben I Q und, R- Z" im Ansichtskar-tenblick die Denkmäler von Prinz- Eugen und von Feldmarschall* Dieser Text ist die erweiterte Fassung eines Referates im ,, Seminaire Européen:Les Héros nationaux: Construction et Déconstruction am 3.12.1996, veranstaltetvon der Mission du Patrimoine ethnologique, vom französischen Kulturmini-sterium, vom Deutschen Hygienemuseum in Dresden, vom Ecomusée in LeCreusot sowie vom Verein für Volkskunde in Wien. Die Durchführung desSymposions in Wien wurde vom Bundesministerium für Wissenschaft, Verkehrund Kunst und die Drucklegung dieses Textes insbesonders durch den Magistratder Stadt Wien, Abteilung Kultur, gefördert.