Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LI/ 100, Wien 1997, 259-275
Literatur der Volkskunde
CHEAPE, Hugh( ed.), Tools and Traditions. Studies in European Ethnologypresented to Alexander Fenton. Edinburg, 1993, 272 Seiten, Abb.
Gleich zuvor: der Band präsentiert einen Einblick in die Geschichte und diezentralen Perspektiven der europäischen Sachkulturforschung, die freilich,kennt man den Geehrten, nicht allzu eng gesehen werden dürfen. Viele derTexte treffen sich mit methodischen und sachlichen ArbeitsschwerpunktenFentons. So werden immer wieder Bezüge zu den wichtigen AtlaswerkenEuropas hergestellt, wird die Rolle des ethnologischen Museums bei derInterpretation der Region diskutiert( Jenkins, Hill); geht es um Wörter undSachen( Axel Steensberg). Im Zentrum einer Reihe von Texten stehen dieIkonen der europäischen Grabegeräte, die primären Kulturwerkzeuge: Spa-ten für verschiedene Zwecke, Hakenformen und Pflüge. Das läßt, so aufObjekte fokussiert, die verschiedenen Ansätze der Erforschung materiellerKultur deutlich werden und gibt dem Buch fast Handbuchcharakter.
Archaisch, mit der ungarischen Landnahme verbunden, lassen sich zwi-schen dem 7. und 9. Jahrhundert Kenntnisse verschiedener slawischer Pflug-formen nachweisen. Es ist ein Befund, der es unwahrscheinlich macht, daßes sich bei den frühen Ungarn ausschließlich um Hirten gehandelt hat( Ballassa). Ähnliche, auf thrakische Traditionen gegründete Überlegungengelten einer Typologie der Pfluggerätschaften in Bulgarien, wo mit derSozialistischen Revolution 1944 in einem Sprung der hölzerne Pflug durchmoderne Maschinen ersetzt wurde( Marinov). Mit der Forschungslückezwischen Archäologie und Ethnologie- der Einführung der breiteren Scharzwischen 1500 und 1800- beschäftigt sich eine Studie zu schwedischenPflugsscharen zwischen 500- 1800( Myrdal).
Man erfährt, daß zwei Schweden, Albert Nilsson( der spätere A. Eskeröd)und Åke Campbell um 1935 umfängliche Regionalstudien in Irland durch-geführt haben, die weiterwirkten( Lysaght), vielleicht sogar die Gründungeiner Irish Folk Commission im Jahre 1935 angeregt haben. Caoimhin ÓDanachair hat Campbell damals begleitet und dann nach 1945 an derEntwicklung eines Universitätsstudiengangs teilgenommen. Sie werden dieGründungsväter der irischen Hausforschung. Campbells und Nilssons Stu-dien gelten als die ersten systematischen Ansätze zur Erforschung dermateriellen Kultur Irlands.