Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
Seite
263
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1996, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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Als informativ und inspiriert sind zu guter Letzt die Aufsätze von MonikaBernold ,, Eat Up TV" und von Robert Buchschwenter ,, Leibeslust undKörperverlust hervorzuheben. Beide gehen ihre Themen, die orale Kodie-rung des TV und die filmische Inszenierung des menschlichen Körpers, insehr offener und damit anregender Weise an, ohne moralischen und kultur-kritischen Impetus, wie er in anderen Beitragen immer wieder anklingt.Dennoch: Für ein so schönes, eben kulinarisches Thema klappt man dasGanze, sprich diesen Band, relativ nüchtern, um nicht zu sagen: ernüchtertund leider wenig befriedigt wieder zu.

Klara Löffler

LAMPERT, Regina, Die Schwabengängerin. Erinnerungen einer jungenMagd aus Vorarlberg 1864 1874. Hg. und mit einer Einleitung versehenvon Bernhard Tschofen.( Das volkskundliche Taschenbuch 9, Hg. Schwei-zerische Gesellschaft für Volkskunde). Zürich, 1996. 440 Seiten.

Mit den Jugenderinnerungen der Vorarlberger Magd Regina Lampert liegtBand 9 der in der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde erschiene-nen und seit 1993 bereits auf 13 Bände angewachsenen Reihe ,, Das volks-kundliche Taschenbuch" vor.

Der mit Abbildungen illustrierten, mit Glossar und Register wohl gerü-steten Ausgabe ist ein Geleitwort von Paul Hugger, dem Initiator dieserReihe, vorangestellt. Detaillierte Anmerkungen des Herausgebers, die eineoder andere schon mal pedantisch daherkommend, begleiten und bereichernden Band. Dem Zürcher Limmat Verlag, der die Reihe neu und professionellin Obhut genommen hat, ist der gebührende Absatz zu verdanken, den diefaszinierenden Arbeits- Erinnerungen der Regina Lampert bereits verzeich-nen, und der anderen, nicht minder attraktiven Bänden der Reihe, wie zumBeispiel den Lebenserinnerungen des Arved von Brasch,( bislang) versagtbleiben mußte. Nach dem bewährten Herausgabemodell der meisten Bändehat Bernhard Tschofen mit wissenschaftlicher Sachkunde und engagierterEinfühlsamkeit die Aufzeichnungen zu einem sorgfältig redigierten Textgestaltet und mit einem nicht weniger sorgfältig recherchierten Kontextversehen. Regina Lampert als geübte Grenzgängerin hätte sich über diesegelungene österreichisch- schweizerische Zusammenarbeit ihrer beider Hei-maten in der Edition ihrer lebensgeschichtlichen Erzählungen sicherlichgefreut.

Die gebürtige Vorarlbergerin Regina Lampert( 1854-1942) hat im Altervon 75 Jahren, und seit nunmehr 50 Jahren in der Schweiz ansässig, ihreErinnerungen an die Lebens- und Arbeitsverhältnisse ihrer Kindheit und