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Literatur der Volkskunde
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vorgelegten Beschreibungen von Gefäßen und Formen als Vorlage für einensprachlichen Gleichklang zu nehmen. In Vorbereitung eines grenzenlosenWissensaustausches bietet sich das vorliegende Buch als idealer Wegbeglei-
ter an.
Claudia Peschel- Wacha
EICHER, Thomas( Hg.), Das Zauberschloß- Vergessene Märchen des 18.Jahrhunderts. Blieskastel, Gallenstein, 1996, 326 Seiten, zahlreiche Bildervon Ines Braun.
Der vorliegende Band enthält in der Tat eine ganze Serie von so gut wieunbekannt gebliebenen Kunstmärchen in Prosa und auch in gereimter Form.Der Herausgeber hat dazu in einem klärenden Nachwort seine Ansichten undEinsichten zu diesem recht merkwürdigen Komplex deponiert. Er behandeltsowohl die ,, Vorstellungen vom Märchen“ wie die Problematik ,, Kunstmär-chen und Volksmärchen“, akzentuiert sodann die Frage ,, Stichworte zurSozialgeschichte“, um über ein Kapitel ,, Der literarische Markt" im zentra-len Punkt seiner Darlegung ,, Das Zauberschloß“ zu münden. Dieses Nach-wort ist gediegen und sachkundig geschrieben, die Beziehung zum großenBand von Volker Klotz ist deutlich herausgestellt und die Fragen des sichwandelnden Geschmacks gut gekennzeichnet. Eicher kommt zu folgendenErgebnissen: ,, Exempel und Historien haben demnach als Bildungsträgerausgedient. An ihre Stelle treten fiktionale Texte einer intentionalen Kinder-und Jugendliteratur. Texte vom Typ der, Melusine' werden also etwa von, Kindermärchen des Typs Günther abgelöst. Dem Ideal entsprechen dieMärchen Günthers freilich auch noch nicht ganz."( S. 319)
Der Band enthält insgesamt zwölf größere Textkomplexe. Zweifellos istdie Auswahl sehr vielseitig und berücksichtigt die unterschiedlichsten Typenmärchen- oder sagenhafter Erzählungen. Der älteste Druck reicht ins Jahr1769 zurück, der jüngste datiert im Jahr 1800. Die Texte stammen vonChristian Wilhelm Günther, Johann August Liebeskind, Christoph MartinWieland, Friedrich Wilhelm Zachariae sowie aus anonymen Quellen. Es istzwar verständlich, daß Eicher als Germanist sich auf deutsche Quellenkonzentriert hat, dennoch bedauert man, nicht auch fremdsprachige Produk-te dieser seltsamen Zeit des Wandels vergleichsweise daneben legen zukönnen. Der Ablösungsprozeß des älteren Feenmärchens durch auch funk-tional neu geformte Geschichten hatte ja auch in den romanischen Ländernseine Parallelen.
Orthographisch sind die Texte modernisiert gesetzt, und für manche nichtmehr gebräuchliche Formulierungen und Begriffe hat der Herausgeber eine