Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Literatur der Volkskunde

ÖZV L/ 99

wesentlichen ohne Zusätze in der alten Form wiedergegeben und beschäftigtsich zum größten Teil mit dem Typ des mangas, einer spezifischen Figur derAthener Underground- Szene im 19. Jahrhundert, der später dann auch alsTheaterfigur in den Vaudevilles und Revuen, aber auch im Film verwendetworden ist. Nach Kleidung, Ehren- Code, Verhaltensweisen, Gesinnung,Umgangsformen, Gewalttaten und Verbrechen, Liedrepertoire und Folklorewird dieser Unterschichtentyp mit vielen Abbildungen dokumentiert. Weni-ger ausführlich sind die Abhandlungen zu seiner Verwendung im Schat-tentheater des Karagiozis, wo ihm die Figur des Stavrakas entspricht. DieDarstellung der bisherigen Schattentheaterliteratur ist unzureichend und inihrer Polemik auch irreführend. Überdies bildet Stavrakas eine Parodiedieses Männlichkeitsideals der Vorstadtszene, als ihn Karagiozis doch ziem-lich respektlos behandelt, ihn ohrfeigt und beschimpft, wobei die Differenzzwischen hochtrabenden Worten und den hasenherzigen Taten den Spott derZuschauer und des Haupthelden hervorlocken.

Neben diesem Hauptteil( S. 6- 151) gibt es noch einige Zusätze derneueren Auflagen: zu Unterweltstypen im Theater( S. 151 ff.), Notizen zurGeschichte der Entstehung dieser Monographie( S. 155 f.), worauf der um-fangreiche Bildteil folgt( S. 157- 224), im Anhang eine Dokumentationzum griechischen Schriftsteller Skaribas, der selbst ein Karagiozis- Spielergewesen ist( S. 227 ff.), und der Wiederabdruck eines bekannten Artikelsüber das Puppentheater ,, Fasulis, das dem Schattentheater in vielen FällenThemen und Stücke geliehen hat( S. 235 ff.). Zum Schluß folgen noch einigekünstlerische Darstellungen der Schattentheater- Figuren. Die oft sehr per-sönliche Polemik macht die Lektüre des Buches nicht immer angenehm; vonbesonderem Wert, wie meist bei Petropulos, ist der Bildteil.

Walter Puchner

RAPTIS, Aikis, Εγκυκλοπαίδεια του ελληνικού χορού[ Enzyklopädiedes griechischen Tanzes]. Athen, Theater der griechischen Tänze, DoraStratu", 1995, 800 Seiten, zahlreiche Abb.

Vorliegende Enzyklopädie zum griechischen Tanz vereinigt Material ausetwa eintausend Studien und gibt einen konzisen Überblick über ein sehrweitreichendes Forschungsgebiet, das in dieser Systematik und Gründlich-keit noch nicht behandelt worden ist( bekannt sind vor allem die Handbücherder verstorbenen Dora Stratu). Die Materialfülle ist freilich nicht ohne Preiserkauft: bei den Einzel- Lemmata handelt es sich keineswegs um kritischeDarstellungen, sondern Zitate aus der Bibliographie, die gerade zum Tanz-wesen von sehr unterschiedlicher Qualität ist. Darüber berichtet die Einlei-