Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
Seite
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1997, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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Nach Verkauf der ersten 3.500 Exemplare konnte der Glückauf- Verlag imFrühjahr 1996 eine zweite Auflage ausliefern. In deren Vorwort verweisenVerfasser und Verlag auf das enorme Echo aus dem In- und Ausland,weswegen demnächst eine spanische Kurzfassung erscheinen wird. Siezitieren mit Stolz Leserstimmen, die die einmalige universale Darstellungdes Themas, die ausführliche Hintergrundinformation und allgemein diewissenschaftliche Leistung loben( S. 8). Solche Worte sowie das äußereErscheinungsbild und Umfang des Werkes verleiten dazu, diesem geradezuden Nimbus eines Standardwerkes zu verleihen. Aus volkskundlicher Sichtist für eine solchermaßen anspruchsvolle Klassifizierung eine breitere undvor allem tiefere Dokumentationsebene einzumahnen.Petra Regen

KAISER- KAPLANER, Ingrid, Die Sachsen und Landler in Siebenbür-gen. Dargestellt anhand von Chroniken und erzählten Erinnerungen(=Studia Carinthiaca XI). Klagenfurt, Hermagoras/ Mohorjeva, 1996, 266 Sei-ten, Abb.

Seit bald anderthalb Jahrzehnten haben sich in Österreich ,, Siebenbürgen-hilfen etabliert, die weit über das zeitübliche, heutige Verständnis humani-tärer Hilfsinitiativen und-programme hinaus wirkten und z.T. noch wirken.Folgenreicher als die vorbildliche menschliche oder wirtschaftliche ,, Be-treuung erwies sich dabei der Kulturaustausch, als deren Mittler die ,, Land-ler" in den Vordergrund traten. Das kulturell ausgeprägte Gruppenverständ-nis der siebenbürgischen Nachfahren jener im 18. Jahrhundert hierher ver-bannten österreichischen Protestanten motivierte und emotionalisierte dieBeziehungen als ,, wiederentdeckte, in gemeinsamer altösterreichischer Ge-schichte verankerte Kulturbrücke von Wien nach Hermannstadt, wecktedas Interesse der Medien und einer breiten österreichischen Öffentlich-keit am fern- nahen Siebenbürgen und seinen deutschsprachigen Minder-heiten.

Im Hinblick auf solche Informationserwartungen bietet die österreichi-sche Publikationsszene der 90er Jahre einiges von publikumswirksamenErlebnisberichten bis hin zu streng wissenschaftlichen Mundartstudien( Wilfried Schabus). Auch Ingrid Kaiser- Kaplaners neuestes Buch gehört indiesen Zusammenhang. Die aus einer Magisterarbeit hervorgegangene Stu-die über ,, Die Sachsen und Landler in Siebenbürgen- dargestellt anhandvon Chroniken und erzählten Erinnerungen wendet sich in erster Linie anden österreichischen Leser. So ist es auch zu verstehen, daß der Buchtitel