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Chronik der Volkskunde
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Annotationen
zum 31. Kongreß der ,, Deutschen Gesellschaft für Volkskunde"in Marburg/ Lahn, 22.- 26. September 1997
Wie in jedem anderen Alltag, so werden auch in der Volkskunde Zeichengesetzt. Eine solche Setzung manifestiert sich etwa auch in einem Kongreẞ-diesfalls in jenem der DGV, bei dem es Fragen ,, Zur Bedeutung der Katego-rie Geschlecht in der Kultur" zu stellen galt, wie das Tagungsthema imUntertitel lautete. Als Haupttitel wählten die Veranstalter knapp und prä-gnant: ,, Männlich. Weiblich."
Insgesamt elf Plenarvorträge und 31 Referate, die zu acht Sektionenzusammengefaßt waren, wurden angeboten: Körpersymbolik, Körperbilder;Sprache und Tradierung; Ritual, Brauch; Religion, Politik, Ideologie; Ge-schlecht und Identitäten; Kleidung, Lebensstile; Technik und Geschlecht;Innenräume, Außenräume. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aussieben Nationen waren vertreten( Deutschland, Norwegen, Österreich,Rußland, Schweden, Schweiz, USA). Auffallend dabei war die relativ starkePräsenz von US- amerikanischen Kolleginnen, die sich, über das Interesseam Kongreẞthema hinausgehend, möglicherweise auch vom Tagungsort alstraditionsreicher Gelehrtenstadt angesprochen fühlten. Dieses Ambiente,zusätzlich in herbstlich- warme Farben getaucht, und die für die Tagungsteil-nehmer unauffällige und somit perfekte Kongreẞorganisation ermöglichtenWohlbefinden in ruhigem Gleichmaß. In dieser Gefühlskategorie läßt sichgrosso modo-die Tagung selbst konturieren; ja, sie kann als ,, har-monisch verlaufen" in die Folklore des Faches eingehen: Überlange Vorträgehielten sich in Grenzen, die anschließenden Diskussionen hinsichtlich Kritikund Engagement ebenso. Kurz: Es gab wenig Kontroversielles. Dies läßtangesichts des durchaus zeitgemäßen Tagungsthemas und des zahlenmäßiggut besetzten Auditoriums( ca. 500 Teinnehmende) doch etwas verwundern.Ein Streifzug der Erinnerung aber relativiert dieses Erstaunen. DennReferentinnen und Referenten bewegten sich durchaus auf sicheren Gelei-sen: thematisch, theoretisch, empirisch.
auch
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Dem volkskundlichen Kanon zugeordnete und zuordenbare Stoffgebiete,d.h. also klassische Felder des Faches, bildeten in nicht unerheblichem Maßedie Ressourcen für deren Revision in konzentrierter Blickstellung auf dieKategorie des Geschlechts. So etwa standen im Vordergrund der Interessens-felder Brauchthemen, Kleidungsfragen und, noch stärker vertreten, Er-zählstoffe- letztere möglicherweise als Reverenz an die Brüder- Grimm-Stadt Marburg. Die sonstigen Referate spiegelten zu Teilen die derzeitigeThemenbreite des Faches wider: menschliche Körperlichkeit, Urbanität,Identität, Computerisierung unserer Lebenswirklichkeiten etc. Im Überblickbesehen und daher vereinfacht- bürstete man/ frau die Themen entweder