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Chronik der Volkskunde
ÖZV LI/ 100
der- Perspektive erwartet. Im Bild des Kartenspiels heißt dies: Ausgereizt istdas Thema noch lange nicht.
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Daher sei abschließend die Überlegung angestellt, was eigentlich einKongreß für das jeweils gewählte Tagungsthema bedeutet? Zuallererst:Durch dessen Festlegung( als Tagungsthema) erhält es eine erhöhte Bedeut-samkeit, nicht zuletzt auch, weil hochkarätig besetzte Wissenschaftsgremiensich für es entscheiden. Auf dem Kongreß selbst erfährt das Thema nach denRegeln der ihm angestammten Disziplin seine Abhandlung und Diskussionin jeweiliger Tiefe und Breite es wurde somit von einer spezifischenÖffentlichkeit als gegenwärtig wissenschaftsrelevant akzeptiert. Nach Endedes Kongresses vollzieht sich durch die Veröffentlichung der Referate alsTagungsband die letzte Festschreibung des Themas als ein wichtiges undzentrales. Und was passiert dann? Passiert überhaupt etwas? Oder ist dasThema, da es sämtliche gängigen Rituale durchlaufen hat, nunmehr einAbgearbeitetes und somit ein Abzulegendes? Läẞt man die DGV- Kongressemit ihren Themen der letzten Jahrzehnte Revue passieren, so ist der Ein-druck, als hätten die Themen diesen Weg genommen. Für die MarburgerTagung ist dies nicht zu wünschen: Denn gerade die eingangs angesprocheneHarmonie des Kongresses zieht- über die oben erwähnten Desiderata hin-ausgehend auch die Frage nach sich, ob wir nicht in Hinblick auf dieinhaltliche Auseinandersetzung mit dem Tagungsthema vielleicht dem zeit-geistigen Bedürfnis nach Harmonisierung( in diesem Fall: der Geschlechter)aufgesessen sind.- Daher, um ein letztes Mal das Genre vom Kartenspielaufzugreifen: Eine weitere Runde sollte gespielt werden.
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Getraud Liesenfeld, Erika Simoni
Summer School ,, Ethnographies of urban life. Social,symbolic and spatial processes in Berlin
in comparative perspective"
Berlin, 20. Juli – 3. August 1997
Stellt die Stadt in der Volkskunde/ Europäischen Ethnologie/ Kulturanthro-pologie eine Analysekategorie dar oder ist sie lediglich Kulisse für For-schungen mit anderer Thematik? Mit anderen Worten: ,, Ethnography in orethnography of the city?" Dies war eine der Fragen, die am Beginn derinternationalen Summer School ,, Ethnographies of urban life. Social, sym-bolic and spatial processes in Berlin in comparative perspective" standen.Peter Niedermüller und Michi Knecht vom Institut für Europäische Ethno-