Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LI/ 100

Es folgt der Besprechungsteil mit 28 Buchbesprechungen aus verschie-denen Ländern( S. 283-322). Besonders interessant ist nach der ,, Chronik"( S. 323 330), dem Rechenschaftsbericht des Instituts für die Jahre 1989-1993, die Publikationsliste der Institutsmitarbeiter für dieselben Jahre( S. 331 379; die letzte ist in Narodna Umjetnost 26, 1989, S. 183- 232erschienen) sowie die Bibliographie abgelieferter Forschungsmanuskripteund Materialaufnahmen( S. 381- 407, vgl. ibid. S. 183 207).

Walter Puchner

CÁTEDRA, Maria, Un santo para una ciudad. Ensayo de antropologíaurbana Barcelona, Editorial Ariel, S.A. 1997, 222 Seiten, Farb- und s/ w-Abb.

San Segundo ist ein Heiliger, der- seit seiner ,, Erfindung" im Jahre 1519-in Ávila als Stadtpatron verehrt wird. Die geschichtlichen Aufzeichnungenweisen ihn als ersten Bischof von Ávila und als Zeitgenossen der HeiligenTeresa aus. Für Cátedra wird San Segundo zum ,, Vehikel", sozusagen zumTransportmittel, mit dessen Hilfe sie versucht, im ,, Stadtgefüge über dassakrale Empfinden der Menschen Werte und soziale Interessen, die Schlüsselder Gesellschaft und der Kultur, wie Cátedra schreibt, transparent zu ma-chen. Die Arbeit stellt einen Teil des von ihr geleiteten Projektes: UrbanAnthropology im Kontext: von der ethnischen Kleingruppe zu komplexenGesellschaften( Antropología Urbana en Contexto: del grupo étnico a la másamplia sociedad: Subventioniert von: CICYT[ Nr. PBS 89-0200]) dar.

In der Einführung setzt sich Cátedra mit der Urban Anthropology- For-schung kritisch auseinander. Ihrer Auffassung nach wird die Stadt in denmeisten Studien als feindlicher, schwer zu erfassender Raum dargestellt, vollvon ,, armen Gruppen" unterschiedlicher und geschichtsloser Kulturen. Eswurde bei diesen Untersuchungen aber- so Cátedra kaum oder wenn, sonur geringfügig, der städtische Kontext und noch weniger die Bedeutung derStadt für diese Kollektive beschrieben. Als Rechtfertigung der oben erwähn-ten Ansätze wird häufig die Schwierigkeit, sich der Komplexität der urbanenSphäre mittels der traditionellen anthropologischen Methode zu nähern, insTreffen geführt, als ob es die Methode und nicht der konzeptuelle Rahmenwäre, der die anthropologische Substanz darstellt. Einen weiteren ausschlag-gebenden Grund für diese Form der Annäherung sieht sie im extrem hohenStellenwert, den das Exotische Glossar ::: zum Glossareintrag  Exotische, das Fremde und das Nostalgische für dieAuswahl der Objektive innerhalb der Disziplin immer noch darstellt. DieserBlickwinkel verschließt sich einer Vision der Stadt in Verbindung mit ihren