Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
Seite
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1997, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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solches ist eine grundlegende Kategorie der menschlichen Erfahrung; dasEmpfinden des, Heiligen' reflektiert die sozialen Werte, wenn wir so wollen:die dynamischen Schlüssel der Gesellschaft und der Kultur. Es darf nichtvergessen werden, daß die Heiligkeit nicht nur religiöse Ideen und Werteverhüllt, sie gibt uns auch Auskunft über jene Welt, die von den Menschenbewohnt wird" und ,, die Verlagerung[ hier bezieht sie sich auf den ÜbergangSan Segundos vom Dorfheiligen zum Stadtpatron] sagt uns einiges über dieMacht und die Ambivalenz des Heiligen, seine mögliche Kapazität zu helfenund zu schaden, die Fähigkeit, zu sein wie die einfachen Menschen oder ebenwie Bischöfe und Könige. San Segundo war beides; er geriet mitten hineinin eine Schlacht, nicht nur zwischen zwei Mächtige- Kirche und Monar-chie-, sondern auch zwischen zwei verschiedene Dimensionen- Lokalitätund Staat."( S. 213)

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Maria Cátedra ist es, wie ich meine, hervorragend gelungen, ihr akribischrecherchiertes Quellenmaterial kompetent, gemäß ihrer Argumentationswei-se, zu positionieren. In angenehmer Sprache bewegt sie sich sicher auf gutfundierter methodischer Basis. Thematisch geht sie klar an die Problem-punkte heran, verbirgt auch den einen oder anderen Zweifel( genauer Zeit-punkt der ,, Erfindung" San Segundos) in ihrer Recherche nicht. Das Buchist im Frühsommer dieses Jahres in spanischer Sprache erschienen. Da eineÜbersetzung ins Englische angestrebt wird, ist diese Arbeit hoffentlich baldeinem größeren Kreis in der Disziplin zugänglich.

Waltraud Müllauer- Seichter

Österreich Ungarn in Wort und Bild: ein Hochzeitsgeschenk an KaiserinElisabeth 1854. Herausgegeben von Gerda MRAZ, Österreichische Natio-nalbibliothek. Mit Beiträgen von Emil BRIX, Erhard BUSEK, WalterDEUTSCH, Irene KOHL, Georg J. KUGLER und Gerda MRAZ. Mit 25Farbtafeln nach Aquarellen von Albert Decker und 26 Reproduktionen nachmusikalischen Albumblättern des Musikverlages C. A. Spina. Wien- Mün-chen, Verlag Christian Brandstätter, 1997. 48 Seiten+ Tafelteil.

Mit kaiserlichen Requisiten ist auch nach acht republikanischen Jahr-zehnten noch Staat zu machen, weil sie erstens einen Teil unserer Geschichterepräsentieren und zweitens einem öffentlichen Bedürfnis innerhalb einesbestimmten Segments unserer Gesellschaft nach Society- Memorabilia ent-gegenkommen. So war am 2. Oktober 1997 der Prunksaal der Österreichi-schen Nationalbibliothek wohlgefüllt, als deren Generaldirektor zu einerBenefiz- Gala im Rahmen der Aktion Buchpatenschaft bat. Der Reinerlös der