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Literatur der Volkskunde
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Lebensgrundlage im Dorf aufzubauen, wobei sie im Prinzip den traditionel-len dörflichen Lebensstil weiterentwickeln, und zwar ohne den Lebensstilder industrialisierten, verstädterten Metropolen bedingungslos übernehmenzu wollen."( S. 46)
In Krasbergs Text zeichnet sich ein prinzipielles und allgemeines Problemder Textualisierung und Repräsentation ab, hat doch jedes Schreiben( undForschen) über dörfliche Lebenswelten mit jenen Typisierungen zu kämp-fen, wie sie die Kulturwissenschaften und auch die Ethnowissenschaften solange so erfolgreich propagiert haben. Und wird doch allzu oft, das Dorf' ineiner Singularität und Einheitlichkeit beschrieben, die Pluralitäten und Wider-sprüchlichkeiten nur am Rande vermerkt. Die Suche nach Eigensinn, so meinEindruck nach der Lektüre dieser Ethnographie, holt uns immer wieder ein.
Klara Löffler
PUCHNER, Walter, Studien zum griechischen Volkslied. Wien, Selbstver-lag des Österreichischen Museums für Volkskunde, 1996( Raabser Märchen-Reihe 10), 319 Seiten.
Von den zwölf Studien des neuen Buches von Prof. Puchner, das demverstorbenen Schweizer Ethnomusikologen und Erforscher des griechischenVolksliedes Samuel Baud- Bovy gewidmet ist, sind fünf Erstveröffentlichun-gen; aber auch die übrigen sind überarbeitet, mit der letzten Bibliographieversehen und mit neuen Erkenntnissen angereichert. Ihr Ausgangspunkt ist,wie auch der Titel indiziert ,,, hellenozentrisch", aber in fast keinem Fallfehlen die gesamtbalkanischen Bezüge, die in machen Fällen auch über densüdosteuropäischen Raum hinausreichen. Zwar stehen die Volksliedtexte imMittelpunkt, doch sind sie häufig nur ein auslösendes Moment für dieErforschung von Bräuchen, Festen, Sängern und ihrem Publikum sowieanderen Aspekten und Gegebenheiten, die mit ihnen in Zusammenhangstehen, sodaß sich die Analyse auf mehr als einer( der rein volkskundlichen)Wissenschaftsebene bewegt( Philologie, Geschichte, Soziologie, Theologie,Anthropologie). Die vorwiegend unveröffentlichten griechischen Texte, dieaus volkskundlichen Archiven und Forschungszentren in Griechenlandstammen, sind vom Verfasser selbst ins Deutsche übersetzt.
I) ,, Tod und Jenseits im Volkslied. Unter besonderer Berücksichtigungder griechischen Tradition“( S. 11- 28) beginnt mit einer kurzen biblio-graphischen Einführung zu den Haltungen der Menschen gegenüber demTod. Im allgemeinen ist diese negativ ,,, vor allem in jenen Gebieten, wo diechristliche Einflußnahme auf den Volksgesang nicht so prägend war wie in