Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band L/ 99, Wien 1996, 1-17
Technische Groteske und technisches Museum*
Von Martin Scharfe
Vor einiger Zeit stieß ich in einer abseitigen Publikation- es war eineFestschrift für HANOMAG- Lokomotiven aus Anlaß der Fertigstel-lung der zehntausendsten Lokomotive im Juli 1922- auf einen klei-nen, nur ein- seitigen Artikel samt beigegebener Illustration; erstammte von einem Wiener Ingenieur, Emil Jung mit Namen, und warüberschrieben: Mechanische Grotesken. Artikel und Foto berührtenmich auf eigenartige Weise; und obwohl ich zunächst nicht genau zusagen wußte, wie sie mich berührten, war mir doch sofort klar, daßhier eine brisante Idee verpuppt war- also mehr verborgen lag alsoffen zu Tage trat-, die in ihrer allgemeinen Bedeutung zu überden-ken und womöglich mit dem technischen Museum( und Ideen undRealitäten des technischen Museums) zusammenzubringen sich loh-nen müßte. Einige Ergebnisse meines Räsonnierens möchte ich hiervortragen, wo möglich handlich verpackt: ich habe also zehn Gedan-ken verfertigt, die ich in zehn Abschnitten zu erläutern versuche. ZweiVorbemerkungen dazu: Erstens: Ich habe einen weiten Technik-begriff. Wenn ich von Technik rede, meine ich technische Zivilisationoder Zivilisation des technischen Zeitalters. Und zweitens: Es sollnicht stören, wenn ich mir bei meinem Geschäft widersprechen sollte;dies gehört zur Methode. Wer Ambivalenzen nicht denken kann, kannnicht denken. Ich beginne also mit Ingenieur Jungs mechanischerGroteske.
* Vortrag am 18.2.1995 auf der Jahrestagung der Hessischen Vereinigung fürVolkskunde e.V. in Großauheim.