Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band L/ 99, Wien 1996, 83-89

Das Fastentuch von 1640 desÖsterreichischen Museums für Volkskunde.II. Erwerbung und Wiederaufnahme derFastentuchtradition in der Gegenwart

Von Margot Schindler

Erwerbung

Michael Haberlandt verzeichnet unter der Inventarnummer 33.790für den Beginn des Jahres 1914 im Inventarbuch des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde den Eingang eines, Fastentuch[ es], groß,mit 36 gemalten Darstellungen aus dem Leben Christi. Bez. H.A.M.1640. Werk eines Tiroler Malers." Die bedeutende Neuerwerbungwird auch unter den Mitteilungen aus dem k.k. Museum für Österrei-chische Volkskunde in der Zeitschrift des Jahres 1914, allerdings nurin einer kurzen Aufzählung ohne nähere Angaben, erwähnt.¹ Zusam-men mit dem Tuch werden zwei Teufelsmasken von einem Komö-dienspiel, tönerne Vorratstöpfe aus dem 16. bis 18. Jahrhundert undein Wirtshausschild um 1800, alles aus dem Kärntner Raum, inven-tarisiert. Das Konvolut stammt von einer, Kollektion Ambros Rohra-cher in Lienz, Tirol und wurde um 1680 Kronen angekauft, washeute einem Wert von 85.680,- Schilling entspräche, allerdings nichtvon Haberlandt selbst, sondern es handelt sich um eine, Spende Sr.Durchlaucht d. Fürsten von u. zu Liechtenstein".

Johannes II. von Liechtenstein( 1840 1929) war der letzte bedeu-tende Kunstsammler und Mäzen des Liechtensteinischen Fürstenhau-ses. Er bedachte nahezu alle Wiener Museen, Bibliotheken und anderekulturelle Institutionen mit Schenkungen. Man denke an die fünfund-dreißig wertvollen Gemälde des Wiener Biedermeier, die er 1894 demin Gründung begriffenen Historischen Museum der Stadt Wien wid-mete², oder an die Anekdote über den Ankauf eines Aquarells von1 Zeitschrift für Österreichische Volkskunde XX. Jg., Wien 1914, S. 75.

2 Feuchtmüller, Rupert: Vom Kunstgeschmack der Liechtensteins. Die Gemälde-