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Literatur der Volkskunde
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für die vergleichende Hausforschung nutzbringend erscheint. Bei den relativjungen Baubeständen bis zurück in das 18. Jahrhundert werden vor allemdie Grundrisse und Anlagen neben den Ansichten, kaum jedoch baulicheDetails, Feuerstätten oder Innenräume gezeigt. Es handelt sich also um eineerste, stark generalisierende Darstellung ohne genauere Analyse der Bautennach deren Bau- und Betriebsgefüge. Ein solches müßte bei diesen Mono-graphien und verschiedenen Hauslandschaften doch auch den jeweiligenhistorischen und individuellen Baudenkmälern im einzelnen zukommen.
Zu begrüßen ist dagegen die vollwertige Einbeziehung und Behandlungder Wirtschaftsgebäude( Scheunen, Ställe, Speicher, Keller, Fahrzeug- undGöpelschuppen). Erst am Schluß folgt die Darstellung der Wohnbauten.Diese zeigt zunächst einzonige und erst später zweizonige Hausbauten mitdifferenziertem Raumgefüge. Auch in Masowien ist dabei von einzelnenGroßwohnräumen( izba) mit Herdofenfeuerstätten und einem schmalen,vorgelegten, meist traufseitig erschlossenen Vorraum oder Flur( sieň) aus-zugehen( s. S. 48, Abb. 31). Kurz geht der Verfasser sodann auf Wandkon-struktionen und den Dachbau ein und schildert Türen und Fenster. Dieeigentliche Entwicklung der Feuerstätten und ihrer Entsorgung wird jedochbedauerlicherweise nicht näher behandelt. Hier mischen sich anscheinendalte Formen des Kochofens mit Einbauten von Schlotküchen, wie sie seitder Aufklärung allenthalben im östlichen Mitteleuropa eingeführt wordensind. Im ganzen aber ist diese Darstellung des Gebäudewesens nach demProjekt von J. Czajkowski im nordwestlichen Masowien zweifellos hilfreichund für eine erste Grundorientierung überaus begrüßenswert.
Oskar Moser
HELL, Bertrand, Le sang noir. Chasse et mythe du sauvage en Europe.Paris, Flammarion, 1994, 381 Seiten.
Unter den französischen Beiträgen zu einer„, Ethnologie der Leidenschaf-ten", wie sie von Christian Bromberger in seiner Studie zum Fußball erstvor kurzem glänzend illustriert wurde,' sind vor allem jene, die sich mit derJagd befassen, überaus zahlreich. Das Interesse des Faches für dieses Themahat zweifellos mehrere Gründe: Zum einen begeistern sich die Franzosen imallgemeinen für die Jagd in ihren diversen Formen. Es mag genügen zuerwähnen, daß man in Frankreich ungefähr zwei Millionen Jäger zählt,wodurch das Land im Vergleich zu den anderen europäischen Staatenunangefochten an der Spitze liegt. Darüber hinaus sei an die oft heftigenPolemiken erinnert, die jedes Jahr die Eröffnung der Vogeljagd in Südwest-frankreich begleiten, und es ist undenkbar, in der Provinz einen Bürgermei-