Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
Seite
221
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1996, Heft 2

Mitteilungen

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Der Fund einer Marienplastik in Dřevohostice

Von Hana Dvořáková

Die kleine Gemeinde Dřevohostice im Gebiet Záhorí in der Nähe von Lipníknad Bečvou wurde Zeuge eines interessanten Fundes. Im Jahr 1992 wurde beimUmbau des dortigen Rathauses eine zweifache Mauer im Erdgeschoß entdeckt.Der Raum zwischen den beiden Wänden war mit Bauschutt gefüllt. In diesemGemisch wurden Gefäßfragmente, Überreste von Eisenblech und- für uns aminteressantesten- Bruchstücke zweier Keramikstatuetten entdeckt. Der Fundwurde durch Mitarbeiter des Denkmalamtes in Olmütz sichergestellt. Nach derKonservierung der beiden Plastiken wandten sich die Olmützer Denkmalpflegeran Kunsthistoriker und Volkskundler mit dem Ersuchen um eine nähere Bestim-mung. So gelangte eine der Plastiken in das Ethnographische Institut desMährischen Landesmuseums.

Es handelt sich um eine stark beschädigte Terrakottastatuette einer ste-henden Madonna mit dem Kind auf dem Arm( Höhe 28 cm). Laut Fundbe-richt blieb nur der Rumpf einheitlich erhalten. Es fehlen die herausragendenTeile, das heißt der linke Arm ab der Hinterhand, sowie die rechte Hand desKindes, welches sich mit der Linken an die Schulter der Mutter stützt. DerKopf der Madonna wurde bei der Restaurierung aus vier Stücken zusam-mengeklebt, wobei der Kopf des Jesuskindes völlig fehlt. Der kleine, dieStatuette tragende Sockel ist teilweise beschädigt, ähnlich wie die Mantel-bordüre. Trotz dieser Beschädigung blieb jedoch die Grundkompositiondeutlich, woraus sich die ikonographische Bestimmung ableiten läßt.

Die Statuette ist aus feiner rötlicher Erde hergestellt. Den Kern desKorpus bildet ein auf der Scheibe gedrehter Zylinder, der durch Modellie-rung aus freier Hand ergänzt wird. Die senkrecht abgeschnittene Rückseiteder Plastik bietet eine Einsicht in die Höhlung mit Spiralspuren nach derDrehung auf der Scheibe. Die Oberfläche der Statuette war höchstwahr-scheinlich völlig polychromiert, was übrigens der Volkskunstansicht ent-spräche. Auf dem Mantel hat sich teilweise verwischte rote Farbe erhalten,auf der Halskette eine weiße, wobei es sich um keine Glasur handelt. Dierestliche Oberfläche war wahrscheinlich mit Engobe bedeckt. Die Statuettestellt die Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau Maria in Frontalstellung mit dem Kind auf dem rechtenUnterarm dar. Der nackte Kinderkörper, dessen Volumen in Andeutunggestaltet ist, zeigt sich im Profil. Die Madonna in einfachem Gewand ist ineinen über den linken Arm herabwallenden Mantel gehüllt. Unter der rechtenHand, die ihn festhält, bildet er einen breiten Bogen und fällt in weichenFalten lose zum Sockel nieder. Der Körper wird durch flache Wellen ange-deutet. Gebildet ist der Mantel aus Anklebeteilen, die der Töpfer aus robu-