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Chronik der Volkskunde
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jeweils herrschenden Kleidermode- ist seit der Gotik belegt und erreichteim Barock einen Höhepunkt. Die hier gezeigten Figuren- sie kehren nachder Ausstellung wieder an ihre ursprünglichen Bestimmungsorte in Kirchenund Kapellen zurück vermitteln eine Vorstellung von der einstigen Fülleund Lebendigkeit derartiger kirchlicher Praxis und von der Kunstfertigkeitin der Gestaltung solch„ geistlicher Mannequins". Während sie in denKirchen nur in voller Schmückung zu sehen sind, wirft die Ausstellung aucheinen Blick hinter den Paravent, in die Garderobe sozusagen, nicht um dieFiguren zu demontieren, sondern um die Zusammenhänge ins Bewußtseinzu heben.
Solchen Zusammenhängen sind auch zeitgenössische künstlerische Ge-staltungen religiöser Natur auf der Spur, wie heuer etwa zu sehen in denFastentüchern in der St. Johannes von Nepomuk- Kapelle am WähringerGürtel oder in der Pfarrkirche St. Elisabeth im 4. Bezirk in Wien, die in derSymbiose von Kunst und Religion neue Wahrnehmungshorizonte suchen.Margot Schindler
Kunst- Spiel- Zeug
Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskundevom 15. Mai bis 1. September 1996
Am 14. Mai 1996 fand im Österreichischen Museum für Volkskunde inAnwesenheit der Botschafterin von Mexiko, Roberta Lajous, und des Sek-tionsleiters der Museumsabteilung im Bundesministerium für Unterrichtund kulturelle Angelegenheiten, Min. Rat Dr. Rudolf Wran, die Eröffnungder Sonderausstellung„, Kunst- Spiel- Zeug. Werke mexikanischer Künstle-rinnen und Künstler und traditionelles Spielzeug aus der Sammlung desÖsterreichischen Museums für Volkskunde" statt.
Es mag verwundern, eine Ausstellung mit mexikanischem Spielzeug ineinem Volkskundemuseum vorzufinden, noch dazu, wo es sich um keinechtes Spielzeug handelt, sondern um Unikate, die primär als Kunstobjekteanzusehen sind. Als das Ausstellungsangebot an die Direktion herangetragenwurde, stellte sich bei einer ersten flüchtigen Betrachtung der Objektejedoch spontan die Assoziation mit traditionellem Spielzeug ein. Warumdaher nicht eine Ausstellung mit mexikanischem Kunst- Spiel- Zeug imÖsterreichischen Volkskundemuseum, das seit seiner Gründung ja demethnographischen Vergleich verpflichtet ist, und zwar in Konfrontation mitSpielzeug aus der eigenen Sammlung? Ohne damit Kulturbeziehungenkonstruieren zu wollen, sollen dem Besucher auf diese Weise die Augen für