1996, Heft 2
Chronik der Volkskunde
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,, Paška čipka“
Die hohe Kunst der kroatischen Spitzen
Sonderausstellung des Ethnographischen Museums Zagreb imÖsterreichischen Museum für Volkskunde in Wien,2. Juni bis 13. Oktober 1996
Blättert man Modemagazine aufmerksam durch, wird man sich vielleichtwundern, wie häufig Spitzen auch heute an Kleidern, Jacken, als Dessousund auch im Wohnbereich Verwendung finden. Selbst die Megastars unterden Modeschöpfern, von Armani über Lagerfeld und Lacroix bis Versace,schicken die Laufstegbeauties in Tullspitzenroben über die Modebühne.
Spitzen spielen als absolut europäische Spezialität seit bald einem halbenJahrtausend eine Hauptrolle als Prestigeobjekte und waren in früherenZeiten ein Synonym für Reichtum und Macht. Denn kein modisches Acces-soire war besser geeignet, das Vermögen der Reichen und den Rang derVornehmen zu demonstrieren als das extrem teure Luxusprodukt Spitze.
Die historischen Spitzen- Länder waren Belgien, Frankreich und Italien,von wo aus sich etwa ab dem 15./16. Jahrhundert verschiedene Technikender Nadel- und Klöppelspitzen über Europa verbreiteten. Bestimmte Orteund ganze Regionen bildeten sich als richtige Spitzengegenden heraus, wonicht nur oder am wenigsten für den eigenen Gebrauch, sondern für interna-tionale Märkte produziert wurde.
Alle kennen die Namen Venedig und Burano für italienische, Alençon undArgentan für französische Nadelspitzen und Antwerpen, Brügge, Brüssel,Mecheln, Valenciennes und Binche für flandrische und wallonische Nadel-und Klöppelspitzen, wobei die Namen der Herstellungszentren oft zumSynonym für den Typus wurden, auch wenn sie später ganz woandersproduziert wurden. Auch die Klöppelspitzen- Hausindustrie des Erzgebirgesoder des Salzburger Flachgaues sind hier zu nennen.
Für 200 Jahre, von etwa 1600 bis 1800, wurde die Spitze zum Gradmesserdes Reichtums innerhalb der aristokratischen Gesellschaft beiderlei Ge-schlechts. Später gingen nach und nach die Luxus- Wunschträume auch fürdie zu Geld gekommenen Bürger in Erfüllung. Ab der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts, als es gelang, Spitzen maschinell herzustellen, wurden sieallgemeiner verfügbar, es haftete ihnen aber weiterhin der Hauch des Luxu-riösen, Exklusiven, ja des Sündigen an.
Nirgends kommen die symbolischen und ökonomischen Implikationender Spitze besser zum Ausdruck als in Émile Zolas berühmtem Kaufhausro-man ,, Au bonheur des dames"( Zum Paradies der Damen). Der Romanerschien 1883, zu einer Zeit des Beginns der Konsumgesellschaft, derGründung der großen Kaufhäuser, als die Spitzenbegeisterung bereits brei-