Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
Seite
246
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Chronik der Volkskunde

ÖZV L/ 99

Häuser als museale Objekte eingerichtet; über die Volkskultur und Geschich-te des Dorfes erschien auch eine Monographie.

Barbara Tobler

Krakau Land und Leute

Volkskultur aus Galizien

Ausstellung des Ethnographischen Museums Kraków( Polen)im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee

vom 29. Mai bis 15. September 1996

Die ethnographische Gruppe der Krakauer bewohnt ein sich weit erstrecken-des Gebiet Südpolens, das die Wojewodschaft Kraków und Teile benachbar-ter Wojewodschaften( Tarnów, Kielce, Katowice und Bielsko) umfaßt. DasZentrum des historischen Krakauer Landes war und ist die Stadt Kraków,welche bis zum Ende des 16. Jahrhunderts auch die Hauptstadt Polens war.

Die Krakauer waren vor allem Landbewohner, wie auch viele andereethnographische Gruppen, aus denen sich das polnische Volk zusammen-setzte. Bis in die jüngste Zeit waren Ackerbau und Viehzucht auf kleinenund stark zersplitterten Familienbauerngütern ihre Hauptbeschäftigung.Diese landwirtschaftliche Tätigkeit und allgemeine Fertigkeiten in verschie-denen handwerklichen Arbeiten haben dazu beigetragen, daß diese Bauern-güter beinahe autark existieren konnten. Sicherlich waren sie imstande, sichselbst zu ernähren.

Das Krakauer Land trug in der Zeitperiode, die diese Ausstellung veran-schaulicht, also im 19. und den ersten Jahren unseres Jahrhunderts, scharfausgeprägte Spuren des jahrhundertelang bestehenden Feudalsystems, ähn-lich wie auch die Dörfer in anderen Regionen Polens. Die Bevölkerung desLandes bestand bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges aus zwei für ganzPolen bedeutenden Gesellschaftsschichten, dem Adel und dem Bauerntum,und diese vertraten zugleich zwei durchaus verschiedene Welten, die desGutshofes und die des Dorfes.

Das Land in dieser Region wurde von einem in nationaler Hinsichteinheitlichen Volk bewohnt, jedoch ist die Frage des Nationalbewußtseins,seines Wachrufens unter der bäuerlichen Bevölkerung, erst in der zweitenHälfte des 19. Jahrhunderts virulent geworden. Andere Nationen waren vorallem durch die in diesem Gebiet bis zum Zweiten Weltkrieg lebendenJuden meist Händler, Handwerker und Schankwirte vertreten, welchehauptsächlich in kleinen Städten wohnten. Weitere Ansiedlergruppen, etwasolche deutscher Abstammung, haben sich völlig assimiliert. Die römisch-katholische Konfession mit ihrer tausendjährigen Geschichte besaß hier eine