Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV L/ 99

Strömung entsprach, hatten eine starke Entwicklung der patriotischen Ein-stellung und die Suche nach den Quellen der Nationalkultur zur Folge. AmAnfang unseres Jahrhunderts entwickelte sich die Faszination des Volkstüm-lichen zu einer intellektuellen Erscheinung in den Künstlerkreisen, die das,, Junge Polen" vertraten. Für diese Künstler wurde die Kultur des KrakauerDorfes sowohl Quelle ihrer schöpferischen Inspiration als auch Gegenstandder Idealisierung. Kraków wurde auch zum Zentrum des Museumswesens.Die Gründung des Nationalmuseums erfolgte im Jahre 1879, und im Jahr1904 wurde die erste Dauerausstellung eröffnet, welche den Anfangspunktder Geschichte des Ethnographischen Museums bildet. Seine endgültigeGründung erfolgte im Jahre 1911 dank den Bemühungen des Lehrers,Sammlers und Freundes der Volkskunst, Seweryn Udziela.

Elżbieta Pobiegły

Die Sinne laß' erleuchtet sein

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Aspekte der Volksfrömmigkeit in der GegenwartAusstellung des Instituts für Europäische Ethnologie/ Volkskundean der Universität Innsbruck, Mai bis Juli 1996

Wie sehr Phänomene der Volksfrömmigkeit zu Integrationsmitteln undIdentitätsstiftern werden konnten, zeigt sich in Tirol exemplarisch am Herz-Jesu- Gelöbnis, das heuer ins 200. Bestandsjahr geht. Volksfrömmigkeitdurchdringt in vielfacher Weise das tägliche Leben der Alpenbewohner,nimmt Einfluß auf Bräuche, Wohnraumgestaltung, Denkweisen, politischeÄngste und ästhetisches Empfinden. Die bundesdeutsche Diskussion um dieKruzifixe in Klassenzimmern machte vielen Menschen erst wieder bewußt,wie omnipräsent religiöse Sinnträger im täglichen Leben sind und welchenEinfluß sie unterbewußt auf das eigene religiöse und kulturelle Identitätsbildhaben. Die ganze Lebensspanne von der Wiege bis zur Bahre bzw., nochweiter gefaßt, vom Kindersegen- Votiv bis zum Karner erfüllt ein institutio-nalisiertes religiös- kulturelles Programm, das geographisch wie gesell-schaftlich und konfessionell variieren kann. Immer fungiert aber der volks-fromme Hintergrund als sinnstiftend, was umso mehr für eine zunehmendsäkularisierte Welt gilt. Erstkommunionsfeiern, Hochzeiten und Begräbnis-se scheinen an Aufwand und Bedeutung zu gewinnen je mehr Ehen geschie-den werden und je mehr Gläubige sich aus den Kirchengemeinschaftenverabschieden. Insofern ist es der ,, magische Charakter dieser Kulthand-lungen, der gerade dann wichtiger wird, wenn die Absolutheit der religiösenWeltbilder verlorengeht. Gleiches gilt auch im Jahresbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Jahresbrauchtum, wo sich