1996, Heft 2
Chronik der Volkskunde
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Symposion ,, Ethnische Symbole und ästhetischePraxis in Europa"
im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien19. bis 20. April 1996
Wir, guten Europäer': auch wir haben Stunden, wo wir
uns eine herzhafte Vaterländerei, einen Plumps und Rückfall in alte Liebenund Engen gestatten – Stunden nationaler Wallungen, patriotischer
Beklemmungen und allerhand andereraltertümlicher Gefühls- Überschwemmungen.( Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse)
, Wie kommt Josephine Baker in Schönes Österreich?“ hat sich die Rezen-sentin in ihrer Besprechung der gleichnamigen Ausstellung im Österreichi-schen Museum für Volkskunde, Wien gefragt( vgl. ÖZV, Bd. XLIX/ 98, 1995,Heft 4, S. 460- 463) und in Analogie dazu könnten wir uns als Resümeedieses Symposions die Frage stellen: Wie kommt das Schweizer Chalet indie volkskundliche Forschung?
Doch da Besprechungen im allgemeinen nicht mit der Conclusio einge-leitet werden, kehren wir zum formalen Gang des Symposions zurück undverschieben die Beantwortung dieser Frage auf später.
Der Verein für Volkskunde in Wien hat zusammen mit dem Institut fürVolkskunde/ Ethnologia Europaea der Universität Wien ein Symposion zumThemenbereich ,, Ethnische Symbole und ästhetische Praxis in Europa"veranstaltet, dessen räumlicher und inhaltlicher Bezug zur AusstellungSchönes Österreich kein Zufall war. Einerseits sind die Hauptbetreibendenbeider Unternehmungen ident( Reinhard Johler, Herbert Nikitsch und Bern-hard Tschofen), andererseits ist das Bundesministerium für Wissenschaftund Kunst( neuerdings auch noch mit dem Verkehr ,, belastet“) ,, Auftragge-ber"/ Finanzier dieser beiden Ereignisse. In Vertretung des entschuldigtenVertreters des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, ORDoz. Dr. Günther Burkert, wies Rat Dr. Gerhard Pfeisinger auf das vomMinisterium initiierte Forschungsprogramm ,, Grenzenloses Österreich" hin,welches im Zusammenhang mit dem Millennium Kooperationen inländi-scher und ausländischer Forscher unbürokratisch und rasch gestattet. Dafürin Frage kommende Themen sollten die Geschichte Österreichs ,, gegen denStrich lesen“, und gerade der Themenkomplex ,, Identität“ sei dafür sehrgeeignet. Letztendlich zeige uns die unmittelbare Geschichte, daß sichnationale Identitäten mitunter stärker als andere Formen erweisen( Gruppen-,Klassenidentitäten), und gerade in einer Zeit, in der internationale Identi-täten gefördert werden, ohne daß nationale verschwinden, sei ein Nachden-ken über die Konstituierungsmomente und die Symbole solch einer Identi-