Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
Seite
257
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1996, Heft 2

Chronik der Volkskunde

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,, Ein Gutes Neues Altes Jahr❝

Bericht über das internationale Symposion ,, Rituals with Masks"vom 10. bis 14. Jänner 1996 in Mazedonien

Samstag, 13. Jänner 1996, 2 Uhr Nachts. Wir haben soeben die Silvesterfeierin Struga verlassen und fahren mit dem Bus auf Exkursion nach Vevcani,einem kleinen Ort in den Bergen an der Albanischen Grenze. Wir steigen ausund gehen wie viele andere einen steilen Weg hinauf zum Fluß, wo mehrereMaskierte sich in die eiskalten Fluten stürzen. Das neue Jahr hat begonnen.

Das Museum of Macedonia mit Sitz in Skopje veranstaltete ein interna-tionales Symposium zum Thema ,, Rituals with Masks. Treffpunkt für alleTeilnehmer war Skopje, dann ging es mit dem Bus in den Süden des Landesnach Struga und Vevcani, dem eigentlichen Veranstaltungsort. An den erstenbeiden Tagen des Symposions wurden die Referate gehalten, danach folgtenExkursionen nach Ohrid und Vevcani, wo jedes Jahr zum JahreswechselMaskenumzüge stattfinden. In Mazedonien war bis in die 1920er Jahre derJulianische Kalender gültig, das Jahresbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Jahresbrauchtum orientiert sich daher teil-weise noch immer an dieser Zeitrechnung, wonach der Jahreswechsel derzeitauf die Nacht vom 13. auf den 14. Jänner fällt.

In Vevcani wird für zwei Tage eine eigene Republik ausgerufen, und dieim vergangenen Jahr aufgetretenen Mißstände werden in Form von Umzü-gen angeprangert. Bei diesem gesellschaftlichen Ereignis nimmt derGroßteil der männlichen Bevölkerung der insgesamt 2000 Personen umfas-senden Gemeinde teil. Verschiedene Gruppen ziehen einheitlich in selbstkreierten, aber zum Teil an Vorbildern, z.B. Schlümpfen, angelehnten Ver-kleidungen durch den Ort. Zusätzlich werden jedes Jahr maskierte Gruppenaus dem Ausland eingeladen. Dieses Jahr kamen Gäste aus Polen( Theater-gruppe) und Bulgarien( traditionelle Maskengruppe). Der eigentliche Höhe-punkt des 36 Stunden dauernden Festes ist der Nachmittag des zweitenTages: Am Hauptplatz des Ortes drängen sich die Besucher, um die vonAlkohol, Nässe und Müdigkeit gezeichneten Maskengruppen noch ein letz-tes Mal zu bestaunen.

Am Symposion nahmen insgesamt 60 Personen aus Albanien, Bulgarien,Deutschland, England, Frankreich, Italien, Mazedonien, Österreich, Polen,Rußland, Serbien, Slowakei und der Türkei teil. Die Referate wurden ent-weder auf Mazedonisch oder Englisch gehalten. Eine Dolmetscherin über-setzte jeweils in die andere Sprache. Da für jedes Referat nur 15 Minutenvorgesehen waren und viele Referenten zusätzlich Filme zeigten, gab es,wenn überhaupt, lediglich kurze Zusammenfassungen der auf mazedonischgehaltenen Vorträge, um nicht in Zeitverzug zu kommen. In diesem Zusam-menhang ist zu erwähnen, daß die Veranstalter kein so großes internationalesEcho erwartet hatten und deshalb das Programm sehr dicht gedrängt war.