Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band L/ 99, Wien 1996, 339- 344
Mitteilungen
Probleme der ethnischen Identität der Moldauer Ungarn
Von László Lukács
In Rumänien, in der ehemaligen Woiwodschaft Moldau östlich der Karpaten,leben heute ca. 150.000 römisch- katholische Gläubige. Diese römisch- ka-tholische Bevölkerung war ursprünglich ungarischsprachig, und 40.000 bis50.000 von ihnen sprechen auch heute noch die ungarische Sprache. Derweitaus größte Teil der Rumänen bekennt sich zur griechisch- orthodoxenReligion. Eine größere Anzahl der Moldauer Ungarn wanderte im Mittelal-ter, noch vor Gründung der rumänischen Woiwodschaft, aus Ungarn und ausSiebenbürgen aus. Im 17. und 18. Jahrhundert verließ ein Anteil der sieben-bürgischen Szekler ihre Heimat und siedelte sich in der Moldau an. DieSiedlungen der Moldauer Ungarn finden wir in den Tälern der FlüsseTatros/ Trotuş, Tázló/ Tazlău und Szeret/ Siretul. In diesem Gebiet derMoldauer Ungarn habe ich im Mai 1994 eine volkskundliche Feldforschungdurchgeführt.
Der deutsche Journalist Reinhard Olt berichtete über die Moldauer Un-garn und über Probleme der deutschen und ungarischen Minderheiten imheutigen Rumänien in drei Artikeln( Frankfurter Allgemeine Zeitung vom7., 12. und 19. Juni 1993). Zu den inhaltsreichen Schilderungen von Oltäußerten zwei Rumänen, Prof. Dr.theol. Vladimir Peterca( Iaşi) und Dr. IonMarcea( Zülpich, BRD) ihre Meinungen in Leserbriefen( Frankfurter Allge-meine Zeitung vom 7. und 20. August 1993). Im Anschluß dazu möchte ichüber die nationale Identität der Moldauer Ungarn aus der Sicht der ungari-schen Volkskunde einige Feststellungen beifügen.
Zwei wichtige Institutionen zur Bewahrung der nationalen Identität derMoldauer Ungarn( Csángó- Ungarn) sollten die ungarischsprachige Kircheund Schule sein. Vor der Türkenherrschaft wurde deren Seelsorge denungarischen Franziskanermönchen in Bákó/ Bacău anvertraut. Vom 18. Jahr-hundert an betrachtete der Vatikan die Moldau als Missionsgebiet undschickte in die dortigen ungarischen Dörfer italienische Franziskaner. AlsItaliener lernten sie schneller und besser die sprach verwandte rumänischeals die eher fremde und schwierig zu erlernende ungarische Sprache ihrerGläubigen. Seither ist für die Moldauer Ungarn die offizielle Sprache der