Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band L/ 99, Wien 1996, 367-383
Literatur der Volkskunde
REITERER, Albert F., Kärntner Slowenen: Minderheit oder Elite? Neue-re Tendenzen der ethnischen Arbeitsteilung. Klagenfurt, Drava, 1996, 317Seiten, Graphiken.
A. Reiterer ist in den letzten Jahren in mehreren Publikationen zu denKärntner Slowenen( Doktor und Bauer. Ethnische Struktur und sozialerWandel. Klagenfurt 1986) und den Burgenlandkroaten( Zwischen Wohl-stand und Identität. Die Burgenland- Kroaten. Wien 1990) der Frage desVerhältnisses von sozioökonomischem Status und Identität( Sprachpraxis,Kulturpraxis, Alltagskultur etc.) der Minderheitenangehörigen nachgegan-gen. Seine Arbeiten basieren stets auf einer soliden, breiten empirischenGrundlage, deshalb sind seine Untersuchungsergebnisse besonders bedeut-sam, da sie auffällige Trends untermauern, die sich innerhalb von Minder-heiten seit einigen Jahrzehnten abzeichnen.
An den Beginn seiner Arbeit stellt der Autor grundlegende Überlegungenzu Minderheitenbegriff und Minderheitenstatus, zu Sprachen- und Minder-heitenpolitik und geht auf aktuelle Fragen wie EU und Minderheitenschutz( S. 105 111) ein. Das Kapitel ,, Minderheiten in Österreich“( S. 146–181)stellt im wesentlichen eine Zusammenfassung und Aktualisierung von be-kannten und in der kritischen Minderheitenforschung allgemein akzeptier-ten Positionen dar. Besonders hervorzuheben sind die Abschnitte über ,, Min-derheitenpolitik heute“( S. 162- 168) und ,, Zur historischen und aktuellenSituation der Minderheiten"( S. 168 – 176).
Die Kapitel ,, Sozialstruktur der Kärntner Slowenen heute“( S. 182–190)und ,, Die Strukturen im Vergleich“( S. 194-233) bieten die Grundlagen fürdie Beantwortung der im Buchtitel gestellten Frage: ,, Kärntner Slowenen-Minderheit oder Elite?" Dazu vergleicht Reiterer die Sozialstruktur vonMinderheit und Mehrheit, stellt anhand der Daten fest, daß die Assimilation,, sozial differentiell" ist, d.h., daß sie nicht in allen Gesellschaftsschichtengleich stark wirkt, so z.B. wenig in traditionellen Bereichen oder bei identi-tätsmäßig stabilen Gruppen( S. 186), stark hingegen bei den Windischen,deren Zahl in den letzten Jahrzehnten stark zurückging. Dabei ergeben sichbeim Vergleich von Mehrheit und Minderheit methodologische Probleme:Zur Assimilation sind keine auswertbaren schichtspezifischen Daten vor-handen. Das strukturelle Kriterium der Bildung erweist sich nach Reitererim Gegensatz zu anderen- etwa Geschlecht, Alter, Familienstand, Haus-