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Literatur der Volkskunde
ÖZV L/ 99
geworden ist: Regionaltypische Töpferei oder Malerei, ethnische Stickereioder Weberei, das rot bemalte Dalarnapferdchen, der Weihnachtsschmuckaus dem Siebengebirge- all diese Kunstformen haben sich, nicht zuletztdurch die guten Dienste kulturwissenschaftlicher Beschreibung, Marktan-teile verschafft und unterliegen normierenden, oft seriellen Produktionsme-thoden. Im Falle der Punk- Richtung wird von Wojcik eine Weiterentwick-lung konkret behandelt, der neo- tribal Stil, bei dem stammeskulturell ver-ankerte Körperverstümmelungen und-verzierungen( der Nasenring, derBauchnabelring, die verschiedenen Ohrringe, die rituellen Körperverletzun-gen) in neuen Kontexten durch marginale Gruppen übernommen, jedochschon bald für breitere Bevölkerungsschichten adaptiert werden. Eine solcheVerbreitung und Vermarktung läßt sich freilich für die in den anderenBänden vorgestellten Richtungen kreativer Individualität nicht erwarten.
Theoretische Höhenflüge sind nicht das Ziel dieser Serie, und man darfsie auch nicht erwarten. Die Essays von Bethke, Kim, von Florez- Pena undEvanchuk sind wissenschaftlicher ausformuliert als andere. Nicht jederBand ist konsequent im Miteinbeziehen der KünstlerInnen, und die vermit-telten Einsichten bewegen sich in einem Spektrum von oberflächlich bisdurchaus gründlich. Die fast durchwegs gut gewählten Bilder jedoch wirkenin vieler Hinsicht anregend. Tiefere, die Ebene der Fallstudie verlassendeEinsichten werden sich zweifelsohne durch die vielfältigen, hier zumindestvisuell vermittelten Eindrücke einstellen.
Regina Bendix
Narodna Umjetnost. Croatian Journal of Ethnology and Folklore Re-search. Bd. 32, Heft 1( Zagreb 1995), 237 Seiten, Musiknoten; Bd. 32, Heft2( Zagreb 1995), 305 Seiten.
Das traditionsreiche kroatische Periodikum für Volkskunde, herausgegebenvom Institute of Ethnolgy and Folklore Research in Zagreb, hat sich ent-schlossen, seinen Jahresband in jeweils zwei Heften herauszubringen, wobeidas erste zur Gänze in englischer Sprache abgefaßt ist. ,, This decision resultsfrom our wish for closer and more active communication with the interna-tional scholarly community." Auch bisher hatte das Periodikum specialissues in englischer Sprache herausgebracht, die fallweise an dieser Stelleangezeigt worden sind; dieser betont internationale Aspekt soll nun syste-matisiert werden. An der Darstellungsart hat sich sonst wenig geändert: DieArtikel sind mit einem Abstract eingeleitet, im amerikanischen Zitierungs-system gehalten, mit Bibliogaphie und kroatischem Abstract am Schluß