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Literatur der Volkskunde
ÖZV L/ 99
Beim vierten anzuzeigenden Band handelt es sich um die angekündigtefranzösische Übersetzung der griechischen Ausgabe des griechischen Mär-chenkatalogs für die Märchentypen AaTh 700- 749, der in Athen 1994erschienen ist( siehe oben, vgl. auch meine Besprechung in Fabula, imErscheinen). Die Weiterführung des Projekts der sukzessiven Herausgabevon Teilbänden nach dem System von Delarue- Tenèze ist inzwischen für dienächsten Jahre gesichert; das Historische Archiv der Griechischen Jugenddes Generalsekretariats für die Neue Generation finanziert die Erarbeitungdes Katalogs der übrigen Zaubermärchen( AaTh 300 – 699) aus dem Zettel-kasten von Georgios Megas( Puchner, op.cit.). Die Gesamtausgabe desKatalogs wird wahrscheinlich internationaler Unterstützung bedürfen.
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Walter Puchner
Estudios sobre Pedro Alfonso de Juesca. Coordinados por María JesúsLacarra. Colección de Estudios Altoaragoneses 41. Huesca, 1996, 405 Seiten.Die ältesten lateinischen volkstümlichen Geschichten verdanken wir derSammlung von Petrus Alfonsi. Der in der Mitte des 11. Jahrhunderts gebo-rene Moise Sephardi, später Rabbiner und Leibarzt des Königs Alfons I. vonAragon, war eine Brücke zwischen der orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen und der abendländi-schen Glossar ::: zum Glossareintrag schen Erzählkunst. Sein Hauptwerk, die„ Disciplina clericales“, ist diewichtigste Schatztruhe, aus der die Novellistik der beiden folgenden Jahr-hunderte sich bedient hat. Indische und arabische Stoffe begegnen hiererstmals im Okzident Glossar ::: zum Glossareintrag Okzident. Petrus Alfonsi war kein selbständiger Erzähler, je-doch ein origineller Übersetzer und Nacherzähler.
Will man nach den Gattungstypen differenzieren, wie sie seit Jolles üblichsind, so enthält das Werk 11 Exempel im engeren Sinne, 11 Schwänke( vondenen 5 erotische Schwänke sind), 8 Märchen( Weisheits-, Tier-, Vexier-und Lügenmärchen) sowie je eine Anekdote, Legende, Sage und Tierfabel.
Der vorliegende Band enthält sechs Spezialbeiträge, von denen etwa jenervon José Manuel Díaz de Bustamante sich mit dem Problem von Form undRhetorik des Petrus Alfonsi und ein anderer Aufsatz der Herausgeberin desBandes M. J. Lacarra mit dem Echo der Erzählungen in der mittelalterlichenTradition Spaniens beschäftigt. Besonders in diesen beiden Beiträgen, aberauch in allen andern, erfährt man auch für die Volkserzählforschung vielWichtiges und Wissenswertes. Man ist zum Beispiel dankbar für die Tabel-len, die exakt und detailliert aufschlüsseln, wohin die Spuren der altenlateinischen Texte später führen.
Alle Aufsätze sind reich mit Fußnoten und biographischen Hinweisenausgestattet, wie überhaupt der einschlägige Schriftennachweis eine guteHilfe bietet. Die einleitende Bibliographie umspannt 25 Seiten.