Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
Seite
514
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Literatur der Volkskunde

ÖZV L/ 99

Von allen Fragen kulturanthropologischer Forschung abgesehen ist diesesBuch für sich allein schon ein ästhetischer Genuß. Nicht nur die Auswahlder Volksliedtexte, ebenso ihre behutsame und alle Sentimentalitäten ver-meidende Übersetzung lesen sich sehr gut und führen in das Wesen derSänger und in ihre Landschaft ein.

Taloş schildert in seiner Einführung dazu noch die Geschichte dieserAnthologie und ihre von Blaga beabsichtigte Funktion.

Überraschend war für den Berichterstatter manche Parallele zu Volkslie-dern aus Portugal, der anderen Peripherie der Romania.

Felix Karlinger

LECOUTEUX, Claude, Pequeño Diccionario de mitología Germánica.Alejandría, Palma de Mallorca, 1995, 164 Seiten.

Von diesem Lexikon über germanische Mythologie läßt sich zunächst sagen,daß es fachlich sehr solid gemacht und mit Abbildungen prächtig ausgestat-tet ist. Der Inhalt umfaßt deutsche und skandinavische Stoffe vor allem desMittelalters und läßt in dieser Hinsicht kaum Lücken spüren. Und jedereinzelne Artikel ist mit Akribie erarbeitet, wenn auch ohne Sekundärlitera-tur. Eine kluge und erfahrungsreiche Einleitung vermittelt zu den folgendenBeiträgen einen guten Zugang.

Die Problematik des Werkes liegt vielleicht im Begriff ,, Mythologie",der ein Danaer- Geschenk ist, das Psychologen, Soziologen und Philologenauf ihre Weise deuten. Es geht uns hier nicht viel anders als mit dem Wort,, Märchen. Wo etwa die Grenze zwischen Mythologie und Sage zu ziehenist, bleibt umstritten.

Das Buch behandelt mythologische Tiere und Pflanzen, es hilft nur dortnicht weiter, wo es um nachmittelalterliche Stoffe geht. Zweifellos wird esfür Germanisten und Skandinavisten eine größere Hilfe sein als für Volks-kundler. Die Forschung muß jedoch ihre Akzentuierung finden, und das istbei dem Werk von Lecouteux sicher richtig durchgeführt. Und manches vomAbbildungsmaterial, das von alten Runensteinen bis zu moderner Malereiführt, wird man in kaum einem zweiten Werk so gut vereint finden.

Felix Karlinger